Taschengeldwerkstatt mit Kinderschutzpreis ausgezeichnet worden

 

 

Echte Aufträge von echten Kunden: Die Taschengeldwerkstatt ist wie ein kleines Unternehmen. Es gibt einen Chef und viele  eißige Mitarbeiter, die von hölzernem Fensterschmuck über die Reparatur antiker Stühle oder störrischer Fahrräder bis hin zu fantasievollem Catering für Kindergeburtstage alles bewerkstelligen. Die Zahlen auf dem „Lohnzettel“  ießen wie bei den Großen in die Erfüllung eigener Wünsche. Foto: Outlaw

Echte Aufträge von echten Kunden: Die Taschengeldwerkstatt ist wie ein kleines Unternehmen. Es gibt einen Chef und viele  eißige Mitarbeiter, die von hölzernem Fensterschmuck über die Reparatur antiker Stühle oder störrischer Fahrräder bis hin zu fantasievollem Catering für Kindergeburtstage alles bewerkstelligen. Die Zahlen auf dem „Lohnzettel“  ießen wie bei den Großen in die Erfüllung eigener Wünsche. Foto: Outlaw

 

In Dresden-Pieschen beziehen 20,5 Prozent der hier lebenden Menschen Arbeitslosengeld II. Circa 1.700 Kinder und Jugendliche, die in Pieschen wohnen, sind bis zu 14 Jahre alt. Für jene Sprösslinge, die den sozial schwachen Familien entstammen, ist Geld nicht selbstverständlich, erst recht kein eigenes. Die gemeinnützige GmbH OUTLAW hat sich aufgrund dessen eine „Taschengeldwerkstatt“ eingerichtet und ist dafür nun ausgezeichnet worden.

Über eigenes Geld verfügen zu können, bringt nicht nur eine gewisse Freiheit und die Erfüllung zumindest kleiner Wünsche mit sich, sondern lehrt Kinder und Jugendliche auch Verantwortungs- und Wertbewusstsein. Besitzen die Eltern allerdings so wenig Geld, das es kaum zum eigenen Auskommen reicht, geschweige denn, um davon noch Taschengeld abzweigen zu können, bleibt dem Nachwuchs das frühzeitige Lernen des Umgangs mit Geld verwehrt.

Zwei Fliegen mit einer Klappe

In vielen Familien ist es auch so, dass für das Taschengeld eine kleine „Gegenleistung“ fällig ist, ob es nun das Rasenmähen, Müllentsorgen oder das Decken des Frühstückstisches am Wochenende ist. Schließlich fallen Taler und Scheine ja nicht vom Himmel.

Die OUTLAW gGmbH schlägt mir ihrer Taschengeldwerkstatt zwei Fliegen mit einer Klappe: Zum einen ermöglicht sie Kindern und Jugendlichen, sich ihr eigenes Geld zu „verdienen“, zum anderen, den Umgang damit zu lernen.

Knapp 40 junge Menschen arbeiten hier mit Holz, an Fahrrädern oder in der Cateringküche. Ihr Einsatz wird mit 50 Cent pro Stunde belohnt. Seit 2003 läuft das Projekt, und die Dresdner können ihre Aufträge an die einzelnen Werkstattbereiche erteilen: Regale, Gartenbänke, Fahrradreparatur und die Ausstattung von Kindergeburtstagen mit Kuchen und anderen Leckereien.

Durchhalten, einhalten, engagieren

Die Kinder sind für alles mitverantwortlich, von der Auftragsannahme und Kostenkalkulation über die Planung und Produktion bis hin zur Auslieferung. Hilfestellung gibt es von einem Profi : Christian Schröder ist die Seele der Holzwerkstatt. Er leitet die Mädchen und Jungen an, hilft ihnen bei der Planung und Konstruktion, zeigt den Umgang mit Stichsäge, Bohrmaschine, Schleifgerät und hat immer ein Ohr für die jungen Menschen. „Wer bei uns mitmacht, lernt durchzuhalten, Absprachen einzuhalten und mit Engagement an Projekten zu arbeiten. Wichtige Eigenschaften für das spätere Berufsleben“, erläutert der 62-Jährige den Ansatz der Taschengeldwerkstatt.

Klassenfahrt aus der Sparmaschine

Das verdiente Geld wird den kleinen Arbeitern natürlich nicht in barer Münze ausgezahlt, denn neben dem Wissen, dass die eigene Schaffenskraft viel wert ist, sollen sie auch lernen, wie man den Lohn sinnvoll investiert. Deshalb tauschen die Kinder und Jugendlichen das verdiente Geld in kleine Holzkugeln um, die in den Plexiglasröhren einer „Sparmaschine“ verwahrt und, wenn sich genug auf dem Maschinenkonto angesammelt hat, gegen die Erfüllung von Wünschen wieder zurückgetauscht werden können. Manchmal fi nanzieren sich die fl eißigen Sprösslinge damit sogar selbst ihre Klassenfahrt. „Bei uns lernen die Kids den Umgang mit Geld. Sie lernen zu sparen und es dann für Sinnvolles auszugeben“, erklärt Sandra Anders, Sozialpädagogin und Initiatorin des Projektes. „Wichtig für unser Konzept ist es, dass die Kinder echte Aufgaben bekommen. Nur so lernen sie, dass sich Arbeit lohnt und ihre Tätigkeit etwas wert ist.“

Für dieses vorbildliche Projekt ist die OUTLAW GmbH nun ausgezeichnet worden: Für ihr Engagement, Kindern und Jugendlichen über sinnvolle Beschäftigung Werte zu vermitteln, erhielt die Taschengeldwerkstatt den mit 20.000 Euro dotierten „HanseMerkur Preis für Kinderschutz 2010“. Das Preisgeld wird in laufende Materialkosten und die Aufwandsentschädigungen ehrenamtlicher Helfer fließen. Dank des Preises kann die Taschengeldwerkstatt nun bis 2013 ihre Mini-Handwerker beschäftigen. (Frances Heinrich)

Taschengeldwerkstatt immer dienstags und freitags von 15 bis 18 Uhr im Kinder- und Jugendhaus Emmers, Bürgerstraße 68, 01127 Dresden

Aufträge kann man an taschengeldwerkstadt@emmersdresden.de schicken