(Anzeige) Annette Pohlenz fertigt neue Bücher und gibt alten einen edlen Umschlag

Foto: PR

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Die Geschichte muss aus einem Märchenbuch stammen: zwei Menschenkinder, die von einer Hasenfamilie im Wald aufgezogen und schließlich zu ihren Eltern zurückgebracht werden. Das wunderschön  illustrierte Kinderbuch „Eine Hasengeschichte in acht Bildern“ ist mindestens 80 Jahre alt – und genauso sieht es auch aus. Abgegriffen, leicht vergilbte Seiten, und der Einband ist völlig hinüber. Aus diesem Grund liegt es auf dem großen Holz-Arbeitstisch von Annette Pohlenz. In ihrer Handbuchbinderei werden nicht nur neue Bücher, Präsentationsmappen, Schuber, Kästen und Spezialanfertigungen hergestellt, sondern auch gebrauchte, mitunter uralte Exemplare erneuert. Für die Chefin ist es immer auch „eine richtig schöne Arbeit“.

20 Jahre lang hat Annette Pohlenz in einem Copy-Shop gearbeitet. Sie war Mitte 40, als sie sich selbstständig machte: „Die Buchbinderei hat mich schon immer interessiert.“ Mit 48 Jahren hielt sie ihren Gesellenbrief in der Hand. Sie suchte Räume – und fand nach einigen Umwegen auch etwas, das die nötige Größe hatte und zudem bezahlbar war. Der Straßenname passt auch: Michelangelo. Denn die Kunst findet sich in der Handbuchbinderei in jedem einzelnen Stück wieder: die erneuerte Hasengeschichte, die edle Speisekarte im Ledereinband oder die einfachere Variante als originell gestaltete Klappkarte wie auch das Fotoalbum mit marmoriertem Papierdeckel. „Ein Mann aus Bannewitz brachte mir das Kochbuch seiner Mutter“, erzählt die Fachfrau. „Er war selbst schon über 70, das Buch sicher an die 100 Jahre alt, die Rezepte von Hand geschrieben in Sütterlin.“ Ein Schatz sei dieses Buch gewesen. „Ich konnte ihm wieder die passende Fassung geben.“ Ein anderer Mann kam mit den Briefen seines Onkels, geschrieben im Ersten Weltkrieg. Sortiert, geheftet und abgeklebt bekamen sie ihren würdigen Platz zwischen zwei Buchdeckeln aus Rohhalbleinen.

Doch die Buchbinderin nimmt sich nicht nur historischer Exemplare an, sondern stellt auch neue her. Was ist der Vorteil der Handbinderei? „Die Bücher sind haltbarer und sie können in kleineren Auflagen erscheinen“, so Annette Pohlenz. „Das Beste aber ist: Sie sind sehr individuell gebunden.“

Sieben Mal Familiengeschichte

Sie zeigt auf einen kleinen Stapel am Rande des großen Arbeitstisches. „Eine Familiengeschichte, gedruckt in nur sieben Exemplaren.“ Die agile Frau mit den schulterlangen blonden Haaren erzählt von Lyrik-Bändchen, besonderen Doktorarbeiten und anderem, was sie mit ihrer Kunst auch optisch in einmalig schöne Stücke verwandelt hat.

Wenn Annette Pohlenz durch die drei Räume geht, gerät sie schnell ins Schwärmen. Sie zeigt auf die wertvollen Leder, die in dem riesigen Holzschrank im Eingangsbereich liegen. Die Türen sind weit geöffnet. „Damit das Leder atmen kann“, erklärt sie. Wer vorbeigeht, kann es riechen – und atmet damit auch ein wenig Leder. Im Gang reihen sich die Büttenränderschneide- und die Rill-Maschine, gleich daneben steht der Klopfer, ein Gerät zum Heften. Alle drei sehen aus, als wären sie einem Museum entliehen, tatsächlich lässt sich mit ihnen noch gut arbeiten. Ebenso mit der Handpresse, einem grauen Monstrum aus den 1930er Jahren, das sich in Reichweite des Schreibtisches befindet.

Das Einzige, was der Buchbinderin etwas Sorgen macht, ist ihre Adresse. Zwar findet man Laden und Werkstatt schnell, von der Paradiesstra-ße Richtung Südhöhe fahrend, gleich im Erdgeschoss des ersten Hochhauses. „Aber man muss erst einmal wissen, dass es die Buchbinderei hier überhaupt gibt.“ Denn Laufkundschaft habe sie so gut wie keine. „Es muss sich erst einmal herumsprechen, was ich anbiete.“Für die nötige Mundpropaganda dürften auch die Teilnehmer der Kurse sorgen, die Annette Pohlenz gibt. Neben Buchbindekursen, Kreativkursen zur Buntpapierherstellung und solchen, bei denen man die japanische Hefttechnik lernt, stehen auch die zum Marmorieren im Plan. „Da zeige ich die alte Technik des Handmarmorierens und gebe außerdem Tipps für Grußkarten, Schachteln oder zum Herstellen von Buchbezügen.“ Der nächste Marmorier-Kurs beginnt übrigens am 5. Dezember.