Ich kann gar nicht anders: Im Gespräch mit der Bühnen-­ und Kostümbildnerin Ella Späte

Die Zöpfe sind ein Markenzeichen von Ella Späte. Sie liebt es, sich  adrett zu kleiden. Nicht Haute Couture oder Chanel, das mag sie nicht.  Exklusiv ist ihre Garderobe dennoch, schließlich hat sie als Kostümbildnerin das Glück, sich ihre Kleider auf den Leib schneidern zu können. Foto: Privat

Die Zöpfe sind ein Markenzeichen von Ella Späte. Sie liebt es, sich adrett zu kleiden. Nicht Haute Couture oder Chanel, das mag sie nicht. Exklusiv ist ihre Garderobe dennoch, schließlich hat sie als Kostümbildnerin das Glück, sich ihre Kleider auf den Leib schneidern zu können. Foto: Privat

Es ist ein sonniger Herbsttag. In den Straßen der Dresdner Neustadt tummeln sich die Menschen vereinzelt in Schal und Mütze. Von den wenigen Bäumen fallen die ersten Blätter, die Fontäne des Springbrunnens am Palaisplatz zittert im Wind. Schon wenn man in die Straße, in der sie wohnt und arbeitet, einbiegt, kehrt man dem jungen Herbst den Rücken. Drinnen angekommen trifft man dann auf ein bisschen Sommer: Er strahlt aus dem fröhlichen Gesicht von Ella Späte.

Frances Heinrich

Ihrem Namen macht sie keine Ehre, denn Ella Späte ist Frühauf­steherin. Kein Wunder eigentlich – bei dem Pensum, das sie zu be­wältigen hat. Für eine Kooperation der Semperoper mit der Olaf Berger Stiftung München tüftelt sie gerade an der Ausstattung der „Konferenz der Tiere“. Dabei muss sie den Spagat zwischen animalischer Optik und ausblei­bendem Plüschfaktor schaffen. Angesichts dessen, was man von ihr schon gesehen hat, stellt sich da automatisch Zuversicht ein.

Ein armer Ritter als Retter

Wenn ein Auftrag zu sehr in ein Gedankenkarussell ausartet, geht Ella Späte ein paar Schritte. Erst durch ihre Wohnung, die neben Kostüm­, Ankleide­ und Nähzimmer auch noch andere Mitbewohner beherbergt, und wenn das noch keine Inspiration bringt, flaniert sie ins nahe gele­gene Schwarzmarktcafé.  „Das ist Dresden“, sagt die charisma­tische Künstlerin.

1981 war sie für das Studi­um nach Dresden gekommen. Ein Glücksfall, würden die ei­nen sagen, wenn sie hören, dass sich Ella Späte nur an dieser einen Hochschule beworben hat und sofort angenommen wurde. „Schwein gehabt“, nennt es Ella Späte. Nach einer Mappe folgte eine Aufnahmeprüfung vor Ort. In der letzten Übung sollten die Kandidaten Illustrationen zu Peter Hacks‘ „Armer Ritter“ anfertigen. Späte, die zu dieser Zeit als Requisiteurin am Magde­burger Schauspielhaus arbeitete, kannte den Stoff nur zu gut, denn den hatte sie kurz zuvor in Magdeburg betreut. „Mein Vorteil war, dass ich diese ganze Einfühlungs­ und Gedankenzeit, in die die anderen Teilnehmer der Aufnahmeprüfung eintauchten, ja gar nicht brauchte. Ich konnte gleich anfangen. Das war zwar alles nicht so super gezeichnet, aber es war originell, und das hat mir wohl den Kopf gerettet.“

Der Ruf der Theaterwelt

Schon Klein Ella hatte einen aus­geprägten Hang zum Zeichenstift. „Ich habe schon als Mädchen in der Schule viel gezeichnet, Mappen angelegt und mich neben dem Schulkram intensiv damit beschäftigt. Ich konnte und kann gar nicht anders, wollte das un­bedingt machen. Aber da galt ich eben als zu durchgeknallt, ver­sponnen. Zwar hatte ich von mei­nen Eltern immer volle Unterstützung, aber keinen Protegé oder so was. Theater und Kunst waren so weit weg, und doch ließen mich meine Eltern machen.“ Irgendwann wurde der Ruf der Bühne so laut, dass ihm die nun erwachsene Ella nach einer Ausbildung in der elektronischen Datenverarbei­tung und im Puppenspiel endlich folgen wollte.

Das wohlige Gefühl von Heimat

Ella Späte ist zwar viel unterwegs, doch Dresden gab ihr „das erste Mal das Gefühl, zu Hause zu sein“. Die Silhouette der Stadt liebt sie ganz besonders. Einer ihrer Lieblingsplätze ist das Café „Zur Seilbahn“ am Körnerplatz. Im Sommer der Garten. Naturbelassen, darauf legt sie Wert. Hierhin wird sie sich sicherlich auch 2012 öfter zurückziehen. Es stehen schon neue Projekte an. Neben praktischer Arbeit kehrt Ella Späte zudem in die Theorie zurück: Sie hat einen Lehrauftrag für Modegeschichte an der Dresdner Modeschule übernommen.

Und wenn die Dresdner kurz vor dem Fest dann mehrheitlich in Schal und Mütze durch das Barockviertel streifen, sollten sie die Augen offen halten. Irgendwo entdecken sie vielleicht das leuchtende rote Haar, zu zwei Knoten aufgesteckt. „Zu Weihnachten stecke ich mir da auch kleine Weihnachtskugeln hinein“, lacht Ella Späte.

Ella Späte macht  „Nägel mit Köpfen“
Ausstattungen aller Art
Nieritzstraße 3
01097 Dresden
www.naegelmitkoepfen.de