Im Rahmen einer multizentrischen Studie, die vom Bundesgesundheitsministerium bis Ende 2013 gefördert wird, wollen Wissenschaftler klären, welche persönlichen Hintergründe es dafür gibt, ob von Alkoholvergiftung betroffene Jugendliche schon erste Zeichen der Alkoholabhängigkeit zeigen und inwiefern sie gefährdet sind, später im Leben Alkoholprobleme zu bekommen.
Auch ob die bisherigen Gegenmaßnahmen – z. B. im Rahmen des deutschlandweiten Präventionsprojektes HaLT („Hart am Limit)“ – wirksam sind, wurde noch nicht systematisch untersucht. Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Uniklinikums Dresden koordiniert dazu die Arbeit von vier weiteren Zentren in Rostock, München, Freiburg und Lörrach. Dabei werden Kinder und Jugendliche, die nach einer Alkoholvergiftung an der HaLT- Präventionsmaßnahme teilnehmen, nach sechs Monaten nachuntersucht. Zudem werden junge Erwachsene, deren Alkoholvergiftung bereits fünf bis zehn Jahre zurückliegt, am Telefon befragt, wie sich ihr Leben seither entwickelt hat und ob es zu Suchtproblemen kam. Damit soll herausgefunden werden, woran man bereits im Krankenhaus unterscheiden kann, ob eine Alkoholvergiftung nur ein „Ausrutscher“ war oder ein Alarmzeichen für Sucht- oder andere Entwicklungsgefährdungen darstellt. Dieses Wissen kann genutzt werden, um die Betroffenen individueller als bisher zu beraten.
Seit dem Jahr 2000 mussten in Deutschland 200.000 junge Menschen unter 20 Jahren wegen Alkoholvergiftungen („Komasaufen“) im Krankenhaus behandelt werden, die jährliche Fallzahl hat sich in diesem Zeitraum mehr als verdoppelt. Trotz dieses alarmierenden Trends wurde der gesamte Themenkomplex bislang kaum wissenschaftlich untersucht.
Das jetzt geförderte Forschungsprojekt basiert auf Vorarbeiten der Arbeitsgruppe von PD Dr. Ulrich Zimmermann, der das Labor für experimentelle Psychopharmakologie der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie am Dresdner Uniklinikum leitet. Er untersuchte jugendliche Alkoholvergiftungen am Beispiel der Stadt Dresden bereits näher. Dabei stellte sich heraus, dass in den Jahren 2003 bis 2008 insgesamt 586 Minderjährige zwischen 12 und 17 Jahren betrunken in die beiden Dresdner Kinderkliniken eingeliefert wurden, d.h. im Durchschnitt eine Aufnahme alle vier Tage. Dies bedeutet auch, dass im Laufe dieser sechs Jahre fast zwei Prozent aller in Dresden lebenden Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren alkoholbedingt ins Krankenhaus kamen. Jungen hatten dabei im Durchschnitt 1,6 Promille im Blut, Mädchen mit 1,4 Promille nur unwesentlich weniger. In Extremfällen wurden bis zu 3,1 Promille festgestellt. Fast alle Patienten hatten aus Spaß auf Wochenend-Parties in Abwesenheit von Erwachsenen getrunken. Im Gegensatz zu ihnen wiesen diejenigen Jugendlichen, die alleine, wegen Enttäuschungen oder am Abend vor einem Schul- bzw. Arbeitstag tranken, mehr Risikofaktoren für Sucht- und andere psychische Erkrankungen auf. Ein bestimmter Anteil der Jugendlichen war trotz hoher Alkoholspiegel auffallend wenig beeinträchtigt, was als Risikofaktor für die spätere Entwicklung von Alkoholabhängigkeit bekannt ist.
Um der letzteren Beobachtung näher auf den Grund zu gehen, untersucht Dr. Zimmermann zusätzlich auch im Labor, wie stark sich Alkoholwirkungen zwischen Versuchspersonen unterscheiden und in welchen Bereichen sich dies am Besten zeigt. Dazu führen sich junge normal trinkende Erwachsene im Labor Alkohol selbst zu, bis sie erste Anzeichen eines Alkoholrausches spüren. Die dazu notwendigen Blutalkoholkonzentrationen unterscheiden sich überraschend stark und können zwischen 0,3 und über 1 Promille liegen. Gegenwärtig wird untersucht, wie diese Unterschiede mit dem späteren Trinkverhalten zusammenhängen.













