Die geschenkte Insel der TU-Studenten in Steinbach

Brit Nitschke (rechts) freut sich zusammen mit Tom über die neue Plattform. Claudia Schlenger (links) hat  sie zusammen mit ihren Kommilitonen gebaut. Foto: Wolf

Brit Nitschke (rechts) freut sich zusammen mit Tom über die neue Plattform. Claudia Schlenger (links) hat sie zusammen mit ihren Kommilitonen gebaut. Foto: Wolf

Blau, grün und gelb erheben sich speisetellerdicke Eichenstämme aus dem Meer der Gräser. Sie sind verbunden mit sibirischer Lärche und Douglasie – und wirken wie eine Insel. „Tatsächlich steht hier manchmal knöcheltief das Wasser“, sagt Brit Nitschke, die Leiterin des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes in Steinbach. Das sei im Winter sehr schön, weil die Kinder dann auf der Eisfläche Schlittschuh fahren könnten. Aber für den hölzernen Steg und die Plattform bedeute das natürlich eine besondere Beanspruchung. Brit Nitschke ist glücklich, dass Studenten der Technischen Universität Dresden sich dieser Aufgabe gestellt – und die stabile Anlage für die Kinder nicht nur erdacht, sondern selbst gebaut haben.

Thessa Wolf

Im Frühjahr geplant, im Sommer gebaut, im Herbst eingeweiht, im Winter in Besitz genommen. Der Jahreszeiten Reigen des Steges in Steinbach ist zugleich ein ideeller Bonus für einige Studenten aus dem Bauingenieurwesen der Technischen Universität Dresden. Diese setzten damit nicht nur ihr erstes Bauwerk in die Welt – sie haben es auch als Idee ins Leben gerufen, Sponsoren gesucht, geplant und realisiert. In Zahlen liest sich das so: 2.100 Euro Spenden, 17 Eichenstämme und 15 Kisten Edelstahlschrauben kamen zusammen. Ein Dutzend Studenten leisteten 500 Arbeitsstunden. Die 19 jüngsten Bewohner des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes in Steinbach bei Moritzburg haben jetzt ihre Freude daran.

Ein Projekt zum Bergfest

„Es ist seit einigen Jahren eine schöne Tradition, zum Bergfest ein soziales Projekt umzusetzen“, sagt Mit-Organisatorin Claudia Schlenger, die mit ihrer Hand über das frisch imprägnierte Holz fährt. „Einige von uns haben den Bauball organisiert, den unser Studiengang ja für die gesamte Fakultät ausrichtet.“ Andere hätten sich dem Projekt verschrieben, so die Studentin des Immatrikulationsjahrgangs 2008. Sie erzählt von den Vorbereitungen, den vielen Briefen, die mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an Unternehmen verschickt wurden, und dem ersten Besuch in Steinbach. „Ich hatte bisher nur von SOS-Kinderdörfern gehört.“ Die Leute des Albert-Schweitzer-Kinderdorfes in Steinbach bei Moritzburg – die drei Familien und die Wohngruppen, die in den vier Häusern leben – hätten die Studenten mit offenen Armen empfangen und sehr unterstützt. Leiterin Brit Nitschke lächelt: „Wir sind so dankbar, dass die Kinder jetzt diese Plattform haben.“

Die beiden Frauen betreten den Steg und laufen zur Bank. Inzwischen ist auch Tom vorbeigekommen. Der 15-Jährige wohnt in einem der Familienhäuser. Er war mit dabei, als zunächst der alte Steg – er war nach nur sieben Jahren wegen Baumängeln marode geworden – von den Studenten abgerissen werden musste. Zuvor hatte er, wie die anderen Kinder auch, aufgezeichnet, wie er sich den neuen Steg vorstellt. „Es ist alles genau so geworden, wie wir es uns gewünscht haben“, freut er sich jetzt.

Mal mit Auto, mal mit Bus

Mal mit dem PKW eines Kommilitonen, mal mit einem geliehenen Kleintransporter und dann wieder mit dem Bus – bestimmt 15 Mal ist Claudia Schlenger inzwischen in Steinbach gewesen. Der Apriltag, an dem sie mit zwei anderen Studentinnen den Ort für die neue Holzkonstruktion vermessen hat, ist ihr wie ein Mini-Urlaub im Gedächtnis geblieben. „Es war so schön, das Vermessen ging schnell und den restlichen Tag genossen wir die Sonne.“

Natürlich habe es auch andere Momente gegeben, etwa als im Mai die Stämme in die Erde sollten. „Kaum hatten wir ein Loch gebohrt, stand es sofort unter Wasser.“ Je mehr Monate vergingen, umso geringer wurde auch die Begeisterung von einigen für das Projekt. „Aber jetzt ist alles fertig. Und die Kinder haben es sofort begeistert in Besitz genommen.“

Zum Schluss noch eine Bank

Der Einweihungstag im September war wie der Vermessungstag im April: voller Freude und strahlendem Sonnenschein. „Die Kinder konnten es kaum erwarten, endlich das Band durchzuschneiden“, so Claudia Schlenger. „Viele von ihnen hatten ja mitgeholfen und auch den Baufortschritt neugierig beobachtet.“ Ganz zum Schluss habe man auf Wunsch der Kinder auch noch die Bank gebaut. Außerdem wurde eine Sponsorentafel angebracht. „Und dann haben wir den Tag mit einem Lagerfeuer ausklingen lassen. Holz hatten wir ja genug vom alten Steg.“