„Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung“ als Therapie zur Leistungssteigerun

Diplom-Psychologin Fränze Frenzel bringt die Kinder mit Musik nicht nur zum Strahlen. Sie hilft ihnen  auch, damit sie sich besser konzentrieren können. Foto: PR

Diplom-Psychologin Fränze Frenzel bringt die Kinder mit Musik nicht nur zum Strahlen. Sie hilft ihnen auch, damit sie sich besser konzentrieren können. Foto: PR

Mozarts „Kleine Nachtmusik“ rauscht durch den Kopf. Die Streicher wogen in beiden Hirnhälften, die Bläser setzen tiefere Töne dazwischen. Es ist schön. Es ist entspannend. Und auf unmerkliche Weise ist dieses Hören auch heilend, denn nach einer speziellen Methode sind die Schallwellen in zusätzliche Schwingungen versetzt worden. Damit erreicht man über einen winzigen Muskel im Mittelohr das autonome Nervensystem und stellt so das biologische Gleichgewicht wieder her. „Audiovisuelle Wahrnehmungsförderung“ (AVWF) nennt sich die Methode und wird seit Kurzem auch in Dresden angeboten.

Thessa Wolf

Von draußen scheint die Sonne durch die großen Fenster – hinein in zwei gemütliche Zimmer mit cremefarbenen Sofas. Durch die Flügeltüren aus Glas reicht der Blick in den nächsten Raum, in dem Schreibtisch und Computer stehen. In der Ecke thront etwas, das aussieht, als wäre es die Musikanlage eines professionellen DJs. Die Räume in der Schopenhauerstraße in Dresden-Plauen gehören nicht zu einer Wohnung, sondern zu einem Therapiezentrum. Und wenn die Leiterin Fränze Frenzel ihre Klienten bittet, auf den weichen Sofas Platz zu nehmen, können sie sich entspannen, und wie nebenher greift das Prinzip der Methode. „Grundlegende Wahrnehmungsfunktionen werden ebenso wie die Konzentrationsfähigkeit verbessert und das allgemeine Wohlbefinden wird gesteigert“, weiß die Fachfrau. Über Kopfhörer bekommen stressgeplagte Menschen, aber auch Kinderund Jugendliche schallveränderte Musikstücke zu hören. „Von Klassik bis Pop“, nennt Fränze Frenzel die Bandbreite und verweist auf Mozart wie auch die Beatles oder ABBA.

Schallveränderte Indianerklänge

„Besonders wirksam sind die Indianerklänge“, sagt sie und fährt das Band ab. Sofort hat man das Bild einer warmbraunen Steppe im Kopf, wohlige Klänge entführen in die Weite der Landschaft. Bei den Delfinklängen – die sind besonders beliebt bei Kindern – hört man Meeresrauschen und mittendrin das Pfeifen der Meeressäuger.

„Die Musik dient lediglich als Informationsträger“, erklärt Ulrich Conrady, der das AVWF-Neurocoaching vor einigen Jahren entwickelt hat. Darum sei es prinzipiell egal, welche Musik bei der Therapie eingesetzt werde. „Wichtig ist lediglich ein breites Frequenzspektrum.“ Der Therapeut hatte verschiedene Möglichkeiten ausprobiert, um seinem autistischen Sohn zu helfen. Er forschte und experimentierte – und fand heraus, dass modulierte Schallwellen über Nervenfasern in der Mittelohrmuskulatur das autonome Nervensystem stimulieren und wieder in Balance bringen können.

„Polyvagale Theorie“, bringt Diplom-Psychologin Frenzel den Fachausdruck ins Spiel und erklärt das mit drei Steuerungsebenen im autonomen Nervensystem. Der Einfachheit halber bezeichnet sie die drei mit „neu“, „alt“ und „uralt“. Das neue System sei sozusagen die Chefetage im Gehirn und zuständig für das Lernen und die Kommunikation. „Das alte System springt automatisiert auf Körperebene an und das uralte setzt in lebensbedrohlichen Situationen oder bei extremem Stress ein.“ Zum besseren Verständnis setzt sie ein Beispiel dazu: „Wir gehen tagsüber durch ein Waldstück – ein angenehmer Spaziergang. Im Dunkeln wird der gleiche Weg fast zur Mutprobe.“ Obwohl man wisse – hier kommt das neue System zum Zug –, dass dieser Weg Tag wie Nacht gleich gefährlich oder ungefährlich ist, setze im Dunkeln eine erhöhte Alarmbereitschaft ein. „Das alte System greift: Die Atmung wird schneller, jedes Geräusch überbewertet.“

Gehirn-Festplatte neu kodiert

Funktioniert also der Muskel im Mittelohr nicht richtig, dessen An- oder Entspannung zuständig für die Reizfilterung ist, dann leidet ein Mensch unter extremer Anspannung, er ist nicht in der Lage, Dinge normal wahrzunehmen. Mit der neuen Therapie bekomme er eine Art Krafttraining für den Muskel, sie kodiere sozusagen die Festplatte des Gehirns neu.

Mindestens zehn einstündige Sitzungen werden für die Kodierung empfohlen. Einige private Krankenkassen übernehmen einen Teil der Therapie. „Die Erfolge sind enorm“, sagt die Diplom-Psychologin und verweist darauf, dass man AVWF inzwischen auch erfolgreich bei Hochleistungssportlern anwende, um deren Konzentrations- und Leistungsfähigkeit zu erhöhen.

www.avwf.de