
Ein Foto aus dem Jahr 1921 von Anton Günther gehört jetzt dem Jägerhof – die Gitarre, die darauf zu sehen ist, auch. Foto: Museum für Sächsische Volkskunst, SKD
Grünes wurde hereingeholt, etwas Weihrauch auf die Herdplatte gestreut. „Dann hat man uns Kinder zu Tante Hedwig geschickt“, liest Ingrid Riedmeier aus dem Tagebuch ihrer Mutter Irmgard vor. Sie ist die Enkelin von Anton Günther, dem erzgebirgischen Dichter und Sänger. Ihre Mutter Irmgard hatte über einen Weihnachtsabend geschrieben. „Plötzlich hörten wir schwere Schritte im Flur. Kurz darauf wurden wir Kinder hereingerufen: Kinder, der Heilige Christ war da.“ Der Großvater habe Gitarre gespielt, die Mutter Klavier, der Onkel Geige. Hausmusik bei Günthers, die man sich jetzt auch im Jägerhof besser vorstellen kann: Dort sind seit Kurzem Anton Günthers Gitarre und einiges andere von ihm ausgestellt.
Thessa Wolf
Im Museum für Sächsische Volkskunst in Dresden wird jedes Jahr zur Weihnachtsausstellung eingeladen. Doch in diesem Jahr gibt es einen Zusatz. „Weihnachten im Jägerhof – Weihnachten mit Anton Günther“ ist die Schau überschrieben. Der Grund: Ein Teil des Nachlasses von Anton Günther gehört jetzt dem Museum. Übergeben hat ihn die Enkelin, mittlerweile 70 Jahre alt. Noch vor zwei Jahren habe ihre Mutter zu ihr gesagt: Dieser Nachlass gehört nach Dresden. Schließlich kannten sich der Museumsgründer Oskar Seyffert und Anton Günther gut. Noch mehr: „Beide verband eine tiefe Freundschaft. Sie waren wesensverwandt“, erklärt Ingrid Riedmeier. Sogar ein Lied habe Günther für das Museum geschrieben.
300 Liedpostkarten
Der Mundartdichter war 1876 in Gottesgab, heute Boži Dar, geboren worden. Auch das Museum dort erinnert an ihn. Noch bekannter als er selbst sind Lieder wie „’s is Feierobnd“, „Arzgebirg, wie bist du schie“ und, passend zur aktuellen Ausstellung, „Loßt ons wieder Weihnachtn feiern!“ und „O selicha Weihnachtszeit“. „Er gilt als Erfinder der Liedpostkarte“, sagt Igor A. Jenzen, der Direktor des Dresdner Museums, und zeigt einige Exemplare in glä-sernen Vitrinen. Auch habe man sechs handschriftliche Entwürfe für solche Karten, beispielsweise vom „`s Annl mit`n Kannl“. „300 Liedpostkarten, Familienfotoalben, Reisererinnerungen und Briefe“, nennt Jenzen noch. „Seiner jüngsten Tochter Irmgard schickte er von allen seinen Reisen liebe Grüße, etwa: ,Mein liebes Irmel, denke an dein Liedel, bin mit der Eisenbahn nach Berlin gefahren.‘“
54 Schellackplatten
Die Tochter wiederum schrieb Erzählungen ihres Vaters aus seiner Kindheit auf, unter anderem von einem Weihnachtsfest von 1880. „Es waren sieben Geschwister“, sagt Ingrid Riedmeier und liest: „Die Stube war mit Stroh ausgelegt, jedes Kind legte ein buntes Sacktuch auf den Tisch. Am ersten Feiertag lagen Äpfel und Nüsse drauf. Dann gab es noch was zum Anziehen.“
Äpfel und Nüsse. Erinnerungen wie diese machen ein Museum aus, sie lassen das Bild einer anderen Zeit entstehen. Wer außerdem in diese Zeit hineinhören will, kann das über die Internetseite der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Dort wurden 54 Schellackplatten digitalisiert. In der ersten Etage des Jägerhofes findet man Anton Günther zudem als Marionette im Bühnenbild der Puppenspielerfamilie Apel.
Ausstellung bis 29. Januar 2012
www.skd.museum












