
Neunzehn Restaurants verwandeln die kleine Weiße Gasse in die große, farbenfrohe Welt. Fotomontage: PR
Sie ist fast eine eigene kleine Stadt in der Stadt und blickt auf eine vergleichsweise junge Geschichte zurück, zumindest in ihrem gegenwärtigen „Amt“ als gastronomischer Knotenpunkt zwischen Pirnaischem Platz, Wilsdruffer Straße und Altmarkt. Einst hieß sie, ganz unspektakulär, Kleine Kirchgasse und mauserte sich nach 2002 zu einem beliebten Kneipenviertel.
Reifeprozess
An einer Hand konnte man die Gastronomen abzählen, die sich 2002 hier mit der Idee niederließen, der Altstadt ein gemütliches kulinarisches Plätzchen zu schenken. Ein Gedanke war es auch, die Altstadt jenseits der Ladenschließzeiten am Leben zu halten. Und wodurch gelänge das besser, als durch muntere Gespräche und Gelächter von Nachtschwärmern, die hier im Sommer auf den knapp 2.000 Außenplätzen den Abend genießen oder im Winter einen der etwa 2.300 Innenplätze in Beschlag nehmen?
Augenweide
Als architektonisches Element zählten die mit Mosaikpflaster aus Lausitzer Granit geschaffenen Gehwege nach dem Zweiten Weltkrieg zu den aufwendigsten Gestaltungsmustern, die die Dresdner Innenstadt zu bieten hatte. Eine kleine Augenweide sind die einzelnen Wohnhäuser, die bildhauerische Verzierungen und besondere Gesteinsarten aufweisen. Ein Glanzpunkt der Gasse ist der Gänsediebbrunnen, der den späteren Rektor der Baseler Lateinschule Thomas Platter zeigt. Der hatte die Kreuzschule in Dresden besucht und für das Abschiedsessen mit dem Schulmeister zwei Gänse gestohlen …
Rundreise
Geklaut wurden die Zutaten, die im ähnlich lautenden Restaurant aufgetafelt werden, ganz sicher nicht. Der „Gänsedieb“ ist eines von jetzt 19 Restaurants in der Weißen Gasse. Mit sächsischer Küche beginnt hier wie auch im „Försters“ die kulinarische Reise in die große weite Welt. Sie führt mit der Cuchi Lounge, dem Kinh Do und dem Mandarin nach Japan, Thailand, Vietnam und China, mit dem Eiscafé Venezia, der Osteria, dem Aroma und der No. 3 nach Italien, stoppt im Agra in Indien, geht im Fliegenden Holländer weiter in das Land der Oranjes, macht in Spanien Halt im Tapas Barcelona, saust im Capetown’s nach Südafrika, weiter in die karibischen Gefilde des Mangoo, geleitet den Passagier im Tex Mex Santa Fe auf den feurigen Boden von Texas und Mexico, verschafft im Dubliner noch mal irisches Glücksgefühl und landet schließlich wieder in Deutschland bei einem krossen Stück Fleisch im SchnitzelGarten. Im Café Central hingegen steht einem die Welt erst offen, es ist buchstäblich der Bahnhof in die Welt der Weißen Gasse, denn es bildet vom Altmarkt kommend den Auftakt und versprüht nicht den Charme eines Landes, sondern verwandelt den Gast in einen Kosmopoliten.
Frances Heinrich
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Video: dresden-maps.de












