
Erfolge verzeichnet Dresden auch mit seinen Exzellenzclustern. Hiesige und internationale Vordenker machen neue Ideen gemeinsam reif für den Markt. Foto: TUD
„Es sind immer die einfachsten Ideen, die außergewöhnliche Erfolge haben.“ Begleitet man einen Menschen der Gegenwart durch seinen Alltag und weist ihn ganz bewusst auf den historischen Erfindungsreichtum hin, den er dabei streift, gewinnt die Aussage aus Leo Tolstois Roman „Krieg und Frieden“ ein merkwürdiges Eigenleben. In vielen hundert Jahren wird es den Menschen noch immer gehen wie den Leuten: Der Erfolg von heute wird morgen ein Teil des Alltags sein. Die sächsischen Erfolgsgeschichten beruhen allerdings nicht unbedingt auf den einfachsten Ideen, außergewöhnlich aber sind sie alle.
Erfindungserfolge
Das Erfolgsgeschichtenbuch Sachsens beginnt mit dem Kapitel jener Erfindungen, die den Erfolgsmenschen von heute mit Sicherheit mehr als einen Stein aus dem Weg genommen haben. Unzählige Geschäftsideen fanden ihren Weg auf Papier und versanken dank des 1939 in Chemnitz erfundenen Akten-Dullis nicht im Chaos. Aus Glashütte bahnte sich ab 1959 die erste Herrenarmbanduhr mit Selbstaufzug in flachem Design ihren Weg an die Handgelenke künftiger Geschäftsmänner und rettete sicherlich so manchen Termin beim Bankberater des Vertrauens. Die Damen nutzten den 1899 in Dresden erfundenen BH, um mit schickem Dekolletee zumindest ein erstes Türchen in die hart umkämpfte Businesswelt zu öffnen. Auf dem 1892 zum Patent angemeldeten Bierdeckel des Dresdners Robert Sputh rechnete der eine oder andere die Quellen für das notwendige Investitionsvolumen zusammen oder stellte darauf einfach nur den Hopfenhumpen ab, der die zündende Idee in konkrete Worte kleiden helfen sollte. Noch dankbarer dürfte man in dieser Verfassung für die Erfindung der Gaslaterne sein, die 1811 erstmals in der Freiberger Fischergasse den Weg nach Hause ausleuchtete. Nach unzähligen Abenden in der Lieblingskneipe und durchzechten Nächten in Gesellschaft von Strategiepapieren sorgte das 1932 in Chemnitz erfundene erste vollsynthetische Feinwaschmittel in der schon 1902 in Schwarzenberg konstruierten weltweit ersten Trommelwaschmaschine wieder für einen strahlenden Hemdkragen. Nicht zu vergessen das Mundwasser, das 1892 im Dresdner Chemischen Laboratorium Lingner in Produktion ging, und die 1907 vom Dresdner Apotheker Ottomar Heinsius von Mayenburg angerührte Zahncreme.
In Zeiten der Videokonferenzen wäre ohne die Entstehung des Bildtelegrafen, an dem der Leipziger Professor August Karolus entscheidenden Anteil hatte, manches internationale Joint Venture im Keim erstickt worden. An die werbewirksame Inszenierung des eigenen Konterfeis in Imagebroschüren könnte man ohne die 1932 von der Dresdner Zeiss-Ikon auf den Markt gebrachte erste Kleinbildkamera für perforierten Film ebenfalls kaum denken.
Und stelle sich einer den Morgen ohne frischen Filterkaffee (Filtertüte: Melitta Bentz, 1908, Dresden) oder Tee (Teebeutel: Teekanne-Stammhaus, 1929, Dresden) aus der Porzellantasse (Porzellan: Tschirnhaus und Böttger, 1708, Dresden/Meißen) und ohne Frühstück mit den Habseligkeiten aus dem Kühlschrank (erster FCKW- und FKW-freier Kühlschrank: 1993, Foron Hausgeräte, Scharfenstein) vor. Was wäre der Mensch ohne die Tageszeitung, die weltweit erstmals am 1. Juli 1650 in Leipzig erschien! Und wie traurig wäre nicht nur der Erfolgsmensch, wenn ihn aufgrund der nie aufgestellten Vorgänger des heutigen Postwesens, der sächsischen Postmeilensäulen, nie ein Brief erreichte?
Erfolgsstadt
Die Dresdner KG Wirtschaftsberatung, eine lokale Erfolgsgeschichte, deren Kapitel schon über 15 Jahre geschrieben werden, sieht in Dresden selbst das Prinzip Erfolg: „Die einstige Barockstadt bildet inzwischen das Zentrum des stärksten Wirtschaftsraums der neuen Bundesländer und gehört zu den wirtschaftlich stärksten Räumen in Deutschland“: rund 150 Milliarden Investitionsvolumen seit 1990, forschende Spezialisten, mehr als dreißig Institutionen wie Fraunhofer oder Max Planck, die modernste Akzidenzdruckerei Europas, 400 Hochtechnologieunternehmen, zwei der weltgrößten Chipfabriken, die Vorreiterrolle in Mikroelektronik, Informations- und Kommunikationstechnologie, Neue Werkstoffe und Nanotechnologie, Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeug-, Luft- und Raumfahrttechnik, Solartechnik sowie die Biotechnologie, life sciences/Pharmazie und Impfstoffe. Die Erfolgsbilanz der sächsischen Landeshauptstadt schlägt sich auch in jährlich etwa acht Millionen Gästen nieder, die Dresden als Reisedestination auserkoren haben. Neun Hochschulen, darunter eine der zehn größten Universitäten Deutschlands, geben das ein oder andere Erfolgsrezept an ihre Studenten weiter. Und nicht zuletzt ist Dresden auch eine erfolgreiche Verführerin: Die Landeshauptstadt weiß Kunst- und Kulturkenner in ihren Bann zu ziehen.
Erfolgskultur
Neben den barocken und anderen Klassikern, die untrennbar mit den über 800 Lebensjahren Dresdens verwoben sind, bringt die Gegenwart auch jüngere kulturelle Erfolgsbiografien hervor. So zum Beispiel die Städtepartnerschaften mit Sankt Petersburg, Ostrava und Salzburg, die im vergangenen Jahr allesamt ein rundes Jubiläum feierten. 2012 jährt sich eine weitere Verbindung: Seit 20 Jahren gehören die US-amerikanischen Städte Columbus und Ohio zur Dresdner Städtefreundschaft.
Erfolgreich zeigt sich auch die Dresdner Festivallandschaft. 1971 hatte das Internationale Dixieland Festival als spartanische Konzertveranstaltung im Kulturpalast begonnen. Mehr als vierzig Jahre später ist es das größte seiner Art in Europa und vereint in mehr als dreihundert Stunden Jazz Menschen aus der ganzen Welt. Über dreißig Jahre sind in Dresden die Musikfestspiele zu Hause. Fast ein Vierteljahrhundert lang pilgern Freunde des bewegten Bildes zum alljährlichen Dresdner Filmfest. Nur wenige Jahre jünger sind die Tanzwoche und die Jazztage Dresden, die nach zwanzig- beziehungsweise zehnjährigem Jubiläum 2012 in die nächste Dekade aufbrechen. Das Festival für computergestützte Kunst Cynetart feiert dieses Jahr seinen 15. Jahrgang. Im „schulpflichtigen“ Alter ist das Dresdner Drumfestival, das es seit fünf Jahren gibt und 2012 nun zum sechsten Mal die weltweit besten Schlagzeuger und Perkussionisten in die Landeshauptstadt bringt. Die Fünf steht 2012 auch auf der Geburtstagstorte des Dresdner Metalfestivals für krebskranke Kinder.
Den wahrscheinlich an Jahren reichsten Weg hat in Dresden die Sixtinische Madonna beschritten, die dieses Jahr stolze 500 Jahre alt wird und zweifelsohne ein Erfolgsrezept der Gemäldegalerie ist.
Die Dresdner Kultur konnte im vergangenen Jahr aber auch zwei erfolgreiche Geburten verzeichnen: Rund 25.000 Menschen hießen die ersten „Zwingerfestspiele“ und circa 22.000 den ersten „Dresdner Sommer“ willkommen. Zwei Erfolgsgeschichten, die auch in diesem beziehungsweise dem nächsten Jahr fortgeschrieben werden.
Erfolgswirtschaft
Auch in der Dresdner Wirtschaft erhob man im vergangenen Jahr öfter das Glas zum Glückwunsch. „Wir sind stolz auf zehn Jahre erfolgreiche Arbeit hier in Dresden“, sagte Andreas Lotze, Geschäftsführer der Carl Zeiss Innovationszentrum für Messtechnik GmbH, zum Jubiläum des Unternehmens am Standort Dresden.
„Das zeigt die Unterstützung und Anerkennung, die wir durch unseren Konzern erfahren“, kommentierte Peter Schu, Kopf des Sächsischen Serumwerkes Dresden, das seit 1992 zu GlaxoSmithKline gehört, das seitdem aufgebrachte Investitionsvolumen von 190 Millionen Euro für den Ausbau und die Modernisierung der Werksanlagen. Eine Million, nein, nicht Jahre, sondern Besucher verzeichnete die Gläserne Manufaktur von Volkswagen 2011. Geburtstag konnte man hinter den Scheiben trotzdem feiern, denn eine Firma, die maßgeblich am Innenausbau der Manufaktur beteiligt war, hatte allen Grund dazu: Mit einer Festveranstaltung wurde das 75-jährige Bestehen des Unternehmens „Jaeger Ausbau“ begangen und zugleich auch die 20-jährige Präsenz des Familienunternehmens, das eigentlich aus Dortmund kommt, in Sachsen.
Zwei feierliche Anlässe vermeldete auch der Fotofachhändler „CEWE“: Vor 50 Jahren wurde das Unternehmen am Stammsitz in Oldenburg gegründet. Den Produktionsstandort in Dresden gibt es mittlerweile zwei Jahrzehnte. Er beliefert alle neuen Bundesländer mit individuellen Fotoprodukten. Ebenso lang währt der Erfolg eines lokalen Planungsbüros: Seit 20 Jahren ist die PTV AG Dresden mit Verkehrsplanungsprojekten sowohl in den neuen als auch in den alten Bundesländern aktiv. Auch eine steigende Anzahl internationaler Aufträge belegt den Erfolg der Niederlassung.
„In den letzten 120 Jahren hat sich ‚Leiser‘ als Qualitätsmarke etabliert und ist heute ein Synonym für Kundennähe und erstklassigen Service – das wollen wir gemeinsam gebührend feiern“, kündigte Harald Neisser an. Er ist der Geschäftsführer einer Marke, die nicht nur die Dresdner gern an den Füßen tragen: Das 1891 in Berlin gegründete und bereits seit über 20 Jahren in Dresden ansässige Unternehmen Leiser feierte 2011 sein 120-jähirges Firmenjubiläum.
Ein weiterer Jubilar war die Dresdner Infra- Tec GmbH. Sie wurde 1991 gegründet und verfügt mit eigenen Fertigungs- und Entwicklungskapazitäten mittlerweile über mehr als 180 Mitarbeiter. Im Geschäftsbereich Sensorik werden auf 1.000 Quadratmetern Reinraumfl äche kundenspezifi sche Komponenten – insbesondere pyroelektrische Infrarotdetektoren – für Kunden in aller Welt gefertigt.
Auf ein weiteres Jahrzehnt stieß das Kollegium der Syncwork AG an, gegenwärtig eine stabile, etablierte Größe im deutschen IT-Beratungsmarkt und an den Standorten Berlin, Dresden, Wiesbaden und Köln. Insgesamt 70 Mitarbeiter erarbeiten für ihre Kunden aus unterschiedlichen Branchen betriebswirtschaftlich- organisatorische wie technologische Lösungen.
Im vergangenen Jahr wurde im Zuge des 17. bundesweiten Wettbewerbs um den „Großen Preis des Mittelstandes 2011“ auch „eine Dresdnerin“ ausgezeichnet: die „DAS Environmental Expert GmbH“. Das familiengeführte Umwelttechnologie-Unternehmen startete vor 20 Jahren mit zehn Beschäftigten und zählt heute 225 Mitarbeiter sowie acht Auszubildende. Als führender Anbieter in Wachstumsbranchen wie Halbleiter- und Solarindustrie sichert DAS mit Investitionen in zukunftsfähige Technologien für Prozessabgasentsorgung und Abwasserreinigung seinen Kunden nicht nur Wettbewerbsvorteile für das Kosten- und Risikomanagement, sondern beeinflusst zugleich die Umweltbilanz positiv. Die Gründungstechnologie „Burn-Wet“ ist mittlerweile ein weltweit etabliertes Entsorgungsverfahren im Abgasbereich. Für die Abwasserreinigung verfügt DAS über eine breit einsetzbare und zuverlässige Technologie auf biologischer Basis unter Zuführung von Luft. Das Unternehmen beliefert von seinen Standorten in Dresden, Hongkong, Shanghai, Taiwan, Vietnam, Uruguay und Washington weltweit sensible Hochtechnologiebereiche wie die Fertigung von Halbleitern, Solarzellen, Flat Panel Displays, LEDs oder OLEDs.
Hochtechnologie ist auch das Steckenpferd des „Silicon Saxony e. V.“. Heinz Martin Esser, der Vorsitzende des Branchennetzwerkes, zeigte sich auf dem Festakt zum zehnjährigen Bestehen des Zusammenschlusses zuversichtlich: „Die letzten Jahre waren von Veränderungen und neuen Herausforderungen geprägt. Doch die Branche ist daraus gestärkt hervorgekommen und befindet sich auf einem guten Weg.“ Eine wesentliche Stärke des Standortes seien die starke Kooperationsbereitschaft und die enge Vernetzung der ansässigen Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen. „Der dadurch erzeugte Wissens- und Technologievorsprung ist unser Wettbewerbsvorteil“, so Esser. „Damit dies auch so bleibt, müssen wir das zukünftig noch mehr in die Waagschale werfen. Nur so können wir uns gegenüber der Konkurrenz aus Asien behaupten und dafür sorgen, dass Silicon Saxony als einer der wichtigsten europäischen Halbleiterstandorte weiter besteht.“
Erfolgsbildung
In den Reigen der „Goldenen Zwanziger“ reiht sich das Berufsbildungswerk Sachsen ein, das sich seit 1991 der Berufsvorbereitung und -ausbildung von Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen widmet. 2004 wurden erstmals berufliche Trainings für Menschen nach psychischen Erkrankungen im Beruflichen Trainingszentrum Dresden angeboten. 2007 startete das erste Verbundprojekt zur beruflichen Förderung von jungen Leistungssportlern mit Behinderung in Cottbus. Im Herbst 2007 wurde in Kooperation mit der SRH Fernfachhochschule Riedlingen deren Studienzentrum in Dresden eröffnet, und 2009 folgte die SRH Hotel-Akademie Dresden mit ihren Aus- und Weiterbildungsangeboten für die internationale First-Class-Hotellerie. Die Anfänge des Unternehmens gehen bereits auf das Jahr 1896 zurück, als auf dem heutigen Gelände in der Dresdner Hellerhofstraße eine Kinderheilstätte entstand, sodass eigentlich auf eine 115-jährige Tradition in Dresden zurückgeblickt werden kann.
„Um Ideen erfolgreich auf den Markt zu bringen, braucht man ein gutes Konzept. Die TUDAG hat ein sehr gutes“, so Prof. Dr. Dr. Hans Müller-Steinhagen, Rektor der TU Dresden. Seit elf Jahren sorgt die TU Dresden Aktiengesellschaft dafür, dass Wissen und Ideen ihren Weg auf den Markt finden: als neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen. Der TUDAG gehören inzwischen elf Tochterunternehmen mit insgesamt über 400 Beschäftigten an. Der Gesamtumsatz der TUDAG-Gruppe steigerte sich kontinuierlich um zwölf Prozent pro Jahr. Ein Erfolg, der sich herumspricht. So titelte die DUZ, die Deutsche Universitätszeitung (duzMAGAZIN 06/2011) ihren Bericht über die TUDAG: „Die Gründungsmacher“.
Erfolgserfindung
Wie Ideen erfolgreich auf den Markt gebracht werden, beweisen die Träger des Sächsischen Innovationspreises 2011. Er wird aller zwei Jahre für beispielhafte Leistungen in der Entwicklung wirtschaftlich erfolgreicher, neuartiger Produkte, Verfahren oder Dienstleistungen an kleine und mittlere sächsische Unternehmen vergeben. Das Siegertreppchen erklomm die Freiberg Instruments GmbH für das Exponat „microwave detectet photoconductivity“ (MPD), eine Serie von Messgeräten zur Anwendung in den Herstellungsabläufen der Fotovoltaik. Mit dem zweiten Preis wurde das Dresdner Unternehmen Xenon Automatisierungstechnik GmbH für seine neue 3-D-Montagelinie für Motorrad-Kombischalter ausgezeichnet. Xenon entwickelte eine vollautomatische verkettete Fertigungslinie bestehend aus mehreren Prozessmodulen und mit zusätzlicher vollautomatischer Qualitätskontrolle. Um die 3-D-Fähigkeit zu erreichen, wurden neue kinematische Systeme entwickelt und realisiert, um die Mehrachsantriebstechnik mit intelligenten manipulierbaren Werkstückträgern kombinieren zu können. Den dritten Preis erhielt das Leipziger Unternehmen bubbles & beyond GmbH für seine „intelligenten Fluide“ zur Verwendung in Industrie, Bauchemie, Healthcare und Lifestyle. Des Weiteren wurden ein Sonderpreis der Handwerkskammern und ein Sonderpreis der Commerzbank AG vergeben. Staatsminister Morlok resümierte auf der Auszeichnungsveranstaltung: „Nicht nur die Preisträger, sondern die Teilnehmer insgesamt stehen für die Vielfalt der Innovationskraft der sächsischen Wirtschaft. Der Wettbewerb hat gezeigt, dass Sachsens Unternehmen sich in allen Branchen mit innovativen Produkten positionieren und dass die Spitze deutlich breiter geworden ist.“
Frances Heinrich
Diesen und weitere Artikel zum Thema Menschen, Erfolge, Lebensart finden Sie in der Printausgabe von Dresden kompakt 2012 oder im Onlinekatalog.












