Die Dresdner hoffen auch 2012 auf eine gute Auftragslage und stabiles Wachstum. Die Wirtschaftsblume ist allerdings ein sensibles Pflänzchen, welches schnell verblühen kann. Foto: Dieter Schütz/www.pixelio.de
„Der konjunkturelle Aufwärtstrend der Wirtschaft im Kammerbezirk Dresden hält im Frühjahr 2011 an. Die Geschäftslage der Unternehmen verbesserte sich erneut, die Stimmung ist weiterhin optimistisch. Eine überaus starke Exporttätigkeit sowie eine gute Binnenkonjunktur bescheren der Wirtschaft ein anhaltendes Konjunkturhoch“, liest man im Frühjahrskonjunkturbericht der Industrie und Handelskammer. Schon 2010 war die Wirtschaft in Dresden einen großen Schritt Richtung Besserung gegangen, 2011 versprach, da weiterzumachen.
Die IHK befragt in drei verschiedenen Zeiträumen des Jahres Betriebe aus dem Bezirk. Am Bericht zu Jahresbeginn 2011 beteiligten sich 745 Unternehmen mit 30.000 Beschäftigten der Industrie, der Bauwirtschaft, des Groß- und Einzelhandels sowie des Verkehrs- und Dienstleistungsgewerbes. Auf dieser Basis findet die Berichterstattung und Prognose für den Kammerbezirk Dresden für den jeweiligen Jahresverlauf statt.
Gute Nachrichten
In 2011 erlebte die Wirtschaft in der ersten Jahreshälfte einen Boom: Die Gewinner sind eindeutig die Maschinenbau-, Elektrotechnik- und Nahrungsmittelherstellungsbranche. Durch erstarkte Auslandsgeschäfte und die steigende Nachfrage aus Schwellenländern wurde die Wirtschaft in Dresden beflügelt. Auch die Kaufkraft im Innenland legte im ersten Quartal dank der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt kräftig zu. Profitieren konnten davon besonders der Handel und das Dienstleistungsgewerbe. Von den befragten Unternehmen konnten 65 Prozent das Vorkrisenniveau von 2008 wieder erreichen. Insgesamt war die Stimmung für 2011 überaus optimistisch, sodass Unternehmen weiter Investitionen und Weiterbildungsprogramme für ihre Mitarbeiter anstreben. Besonders Ersatzbeschaffungen und Kapazitätserweiterung liegen im Fokus der Befragten, und der niedrige Zinssatz unterstützt sie bei ihrem Vorhaben. Auch der Arbeitsmarkt profitiert vom wirtschaftlichen Wachstum: Die Arbeitslosenquote ging spürbar zurück und gleichzeitig stehen mehr offene Stellen zur Verfügung, was auf eine erhöhte Nachfrage nach qualifiziertem Fachpersonal hinweist.
Ungeklärte Personalfragen
Vielfach in den Medien diskutiert und nun auch von der Wirtschaft bestätigt: Das Thema Fachkräftemangel hat einen auffallend größeren Stellenwert in Firmen eingenommen. So wissen 98 Prozent der Befragten, dass die Weiterbildung ihrer Beschäftigten in Zukunft zunehmend an Bedeutung gewinnen wird. Dies ist unter anderem auch eine Reaktion auf den bevorstehenden Generationenwechsel und das damit verbundene Ausscheiden vieler qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Berufsleben. Deswegen wollen drei von fünf Unternehmen durch gezielte Weiterbildung nötige Fachkräfte aus ihrem eigenen Arbeiterpool gewinnen, und viele Betriebe behalten länger ihre qualifizierten älteren Arbeitnehmer. Mehr als ein Drittel der Befragten will durch eine Ausweitung des Ausbildungsplatzangebotes seinen Bedarf an Personal decken.
Trotz der vollen Arbeitnehmerfreizügigkeit vom 1. Mai letzten Jahres möchten die meisten Unternehmen erst das Angebot im heimischen Markt nutzen und streben keine ausländische Suche an. Insgesamt wünschen sich die Befragten ein größeres und breiteres Angebot an Weiterbildungen und das allgemeine Interesse ihrer Angestellten an diesen Möglichkeiten.
Getrübte Stimmung
Es muss auch immer einige Wolken am Himmel geben: In der Wirtschaft 2011 waren dies erhöhte Energie-, Kraftstoff- und Rohstoffpreise, höhere Arbeitskosten und Fachkräftemangel. Auch die unruhige europäische Lage und die Schuldenkrise belasteten die Wirtschaft. Im Frühjahr 2011 prognostizierten die Firmen ein langsameres Wachstum zum Ende des Jahres hin, auch gekoppelt an die sinkende Kaufkraft der Verbraucher. Trotz dieser Faktoren sehen Unternehmen wachsende Chancen und die Verbesserung ihrer Lage durch das Entwickeln von innovativen Produkten und Leistungen sowie ihrer Spezialisierung und der Erweiterung von bestehenden Angebotspaletten. Neue Absatzmärkte können in der Zukunft in Osteuropa und Asien erschlossen werden. Für eine künftige positive Entwicklung ist auch die Politik weiterhin gefragt: Verlässliche Rahmenbedingungen müssen geschaffen werden, damit die steigenden Rohstoffpreise und der Fachkräftemangel zu bewältigen sind.
Maria Schreiber
Diesen und weitere Artikel zum Thema Wirtschaft & Wissenschaft finden Sie in der Printausgabe von Dresden kompakt 2012 oder im Onlinekatalog.












