Ein Blick in die Gegenwart und Zukunft der Dienstleistung

Der „Blaumann“ ist eines ihrer stärksten Symbole: Die Dienstleistungswirtschaft beurteilt ihre Lage als gut und schaut weitgehend zuversichtlich in die Zukunft. Der „Blaumann“ bleibt in Mode.

Der „Blaumann“ ist eines ihrer stärksten Symbole: Die Dienstleistungswirtschaft beurteilt ihre Lage als gut und schaut weitgehend zuversichtlich in die Zukunft. Der „Blaumann“ bleibt in Mode.

Die Wirtschaftswissenschaft bezeichnet die Dienstleistung nach der sogenannten Urproduktion (Rohstofflieferung) und der Industrie als „tertiären Sektor“. Diesem kommt ein immer mehr zunehmender Anteil am deutschen Bruttoinlandsprodukt zu. Auf Dienstleistungen entfallen dabei mittlerweile knapp 70 Prozent, über 68 Prozent der Erwerbstätigen arbeiten im Dienstleistungssektor. Auch innerhalb des Bereiches ist ein struktureller Wandel merklich, etwa im Bedeutungsanstieg unternehmensnaher Dienstleistungen. „In den letzten zehn Jahren nahm die Zahl der Arbeitsplätze in diesem Bereich bundesweit um 77 Prozent oder 1,9 Millionen zu, bei einem jährlichen Arbeitsplatzzuwachs von durchschnittlich 6,5 Prozent. Damit zählt der Bereich der unternehmensnahen Dienstleistungen zu dem am stärksten wachsenden Teil des tertiären Sektors. Darüber hinaus sind in den vergangenen Jahren zahlreiche neue Dienstleistungsbereiche wie etwa Dienste rund um die Telekommunikation oder die IT-Wirtschaft entstanden, die strukturelle Änderungen dieses Sektors bewirkten“, fasst es der Verbund „IHK 24“ zusammen.

Zweitplatzierte Krisenmeister

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag wertet die bundesweiten Konjunkturergebnisse der Dienstleistungswirtschaft im Frühjahr eines jeden Jahres aus, auf einer Umfrage aller 80 IHKs Deutschlands basierend. In die Auswertung wurden die Unternehmensantworten zu folgenden Fragen einbezogen: Wie beurteilt Ihr Unternehmen seine gegenwärtige Geschäftslage? Mit welcher Geschäftsentwicklung rechnet Ihr Unternehmen in den kommenden 12 Monaten? Wie werden sich die Ausgaben Ihres Unternehmens für Investitionen im Inland in den kommenden 12 Monaten voraussichtlich entwickeln? Wie wird sich die Beschäftigtenzahl Ihres Unternehmens im Inland in den kommenden 12 Monaten voraussichtlich entwickeln?

Die Wirtschaftskrise scheint den Ergebnissen nach endgültig gemeistert. Die deutschen Dienstleistungsunternehmen beurteilen ihre Geschäftslage so gut wie seit vier Jahren nicht mehr. Industrienahe Dienstleister zogen einen Nutzen aus wachsenden Exportimpulsen, und auch die Binnennachfrage ist gestiegen, wovon vorrangig personenbezogene Serviceanbieter profitierten. Die Stabilisierung des Arbeitsmarktes trug ihr Übriges dazu bei und beweist das Vertrauen des Verbrauchers in den tertiären Sektor. Die Stimmung der Dienstleister fügt sich harmonisch in das gesamtwirtschaftliche Bild ein. Die Servicebranche profitiert von intensiver Geschäftstätigkeit im industriellen Bereich, die die Auftragsbücher von Unternehmensberatern, Logistikunternehmen, aber auch der Werbewirtschaft füllt.

Laut eigener Schätzung rangieren die Dienstleister im Vergleich der Wirtschaftszweige auf Platz zwei hinter der Industrie und vor dem Handel sowie der Bauwirtschaft.

Vorsichtige Jahresvorschau

Die personenbezogenen Dienstleister schätzen ihre Situation noch besser ein als zur hochkonjunkturellen Phase 2006/2007. Speziell betrifft das die Gesundheitsdienstleister, aber auch die Kultur- und Erholungswirtschaft wie z.B. Konzertveranstalter, Theater oder Fitnessstudios, nebst der Medien- und Filmbranche.

Auch unternehmensnahe Dienste sprechen in der Befragung von einer guten Quote. Schlusslicht im Vergleich ist der Straßengüterverkehr, Spitzenreiter die Kreditwirtschaft. Zeitarbeitsagenturen belegen in der Dienstleistungskonjunktur den zweiten Rang, auch Versicherungen erfreuen sich wachsender Geschäftszahlen.

„Der Aufschwung der Dienstleistungskonjunktur ist robust. Die Dienstleister vermelden eine weitere Verbesserung ihrer Geschäftsperspektiven. Es ist die fünfte Verbesserung der Geschäftsaussichten in Folge, das spricht für eine neuerliche Erhöhung der Schlagzahl des Servicesektors. Das Vertrauen in die Erholung zeigt sich auch in den zuletzt gestiegenen Investitions- und Beschäftigungsplänen der Unternehmen“, resümiert der Deutsche Industrieund Handelskammertag im Dienstleistungsreport des Frühjahrs 2011. An den Einschätzungen hat sich auch im Herbst des vergangenen Jahres nichts verändert, wenn auch die Prognosen für 2012 in der jüngsten Konjunkturumfrage der IHK unter 780 Betrieben zurückhaltend ausfielen. Der tertiäre Sektor blieb stabil, wenn sich auch Umsatzzahlen und Auftragslage nicht so dynamisch entwickelt haben wie in der Industrie. Besonders der IT-Bereich bestätigte gute Geschäfte.

„Die andauernden Hängepartien bei den wirksamen Maßnahmen zur Euro-Stabilisierung führen europa- und weltweit zu einer starken Verunsicherung der Finanzinstitute mit wachsender Ausstrahlung auf die Realwirtschaft“, begründet Hans-Joachim Wunderlich, Geschäftsführer der IHK Chemnitz, die die Umfrage initiiert hatte, die zögerlichen Blicke in die Zukunft.

Frances Heinrich

Diesen und weitere Artikel zum Thema Service & Dienstleistungen finden Sie in der Printausgabe von Dresden kompakt 2012 oder im Onlinekatalog.