BILDUNG & KOMPETENZ

25.07.2013

Wildwuchs im Kinderbuchdschungel

Der Kinderbuchdschungel (Foto: pixabay)
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Studien beweisen, dass Lesen, Vorlesen und Bücher betrachten für Kinder in allen Alterslagen ideal ist, um den eigenen Wortschatz und das Allgemeinwissen zu erweitern. Doch kann das wirklich auf alle Bücher zutreffen? Bei einem Ausflug in die städtische Bibliothek bin ich zunächst total begeistert. Da gibt es nicht nur eine Märchenburg, in der sogar regelmäßig vorgelesen wird, nein, sogar fremdsprachige Bücher, kinderfreundliche Brettspiele, Computerspiele und zu guter Letzt DVDs finden sich in der „Kinderecke“.
Freudig quietschend bringt mir mein Sprössling, ein kleiner Bücherwurm vor dem Herrn, ein Buch nach dem anderen mit der Bitte: „nehmen?“ - doch allein die Titel der literarischen Werke bringen mich zu wortlosem Staunen.

Von Soy Rasmus

Gut, in Kinderbüchern meiner Zeit wurden Hexen verbrannt und Daumen abgeschnitten, haben Maulwürfe in Plastik gewohnt und erfroren kleine Mädchen in Seitengassen mit einem Streichholz in der Hand. Aber ich erinnere mich zumeist an eine wie auch immer geartete Moral, Aussage oder auch ein Identifikationspotenzial.

Doch nun liegt da auf meinem Schoß „Mein Buch der allerersten Worte“. Die Auswahl ist erstaunlich. Welches Kind startet denn mit dem Wort „Kipplader“ oder gern auch „Schubkarre“? Egal, plaudern kann mein kleiner Zögling ja bereits recht gut – und bringt mir nun fröhlich: „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ - Die Story ist eben mit dieser Überschrift zusammengefasst und mit einem bebrillten Maulwurf illustriert. der einen Haufen Exkremente auf seinem Kopf trägt. Es folgt: „So ein Kack: Das Kinderbuch von eben dem“.
Nachdem nun Form, Farbe, Größe und Herkunft von Ausscheidungen aller Art beleuchtet wurden, führe ich mein Kind in eine andere Sektion der örtlichen Leihbücherei – die anale Phase haben wir, Gott sei es gedankt, hinter uns, vorerst. Da wollen wir keine schlafenden Hunde wecken.

Vielleicht aber Selbstzweifel? „Ich wollt ich wär ein Bär“ - ein Buch von einer leicht schizophrenen Katze, die gern etwas anderes sein möchte, als sie ist. Wo ist der Vorbildcharakter, wenn man ihn braucht? Soll man nicht gern man selbst sein?  Oder sollte ein Kind straffällig werden? Nichts hinterfragen? So jedenfalls macht es das kleine Mädchen von gerade einmal sieben Jahren, das in „Alle dürfen mit“ allein Laster fährt (!) und alles und jeden mitnimmt, den sie so findet.

Na gut, Rumpelstilzchen ist auch nicht gerade hyperreal, beruhige ich mich. Kinder haben ja sehr wohl eine ganz eigene Fantasiewelt, in der sie sich zurechtfinden. Auch wenn ich ein wenig irritiert bin, dass Buch „Hummer wird 100“ neben „Mein erstes Kochbuch“ prangt. Manchmal ist es eben doch gut, das mein Liebling noch nicht lesen kann. Behutsam ziehe ich mit ihm zur Märchensektion und fische nach ein bisschen Überredungskunst einige alte Bekannte aus meiner Kindheit aus unserem Korb ... und ein paar sehr schöne neue Kinderbücher. Mein Bildungsauftrag ist erledigt, mein Kind fordert glücklich: „Lesen!“,  und ich denke beruhigt an meinen Erziehungsauftrag und den Heimweg. Im Auto läuft nämlich der „Traumzauberbaum“ in Dauerschleife.

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