BÜHNE & MUSIK

25.02.2013

Darf der Mensch alles? – Das neue Programm von Friedrich-Wilhelm Junge

Friedrich-Wilhelm Junge stellt in seinem neuen Programm auch diese Frage: Wie hoch ist der Preis des Fortschritts? (Foto: Carsten Nüssler)
(Foto: Carsten Nüssler)

Hybris – den Übermut also haben die Macher dieses literarisch-musikalischen Abends ihrem Programmheft als Leitfigur vorangestellt und gleich erläutert, was genau sie sei: „in der griechischen Religion das Gegenteil zum rechten Maß (sophrosyne), ein anmaßendes, übermütiges Verhalten, mit dem der Mensch wissentlich oder unwissentlich seine festgelegten Grenzen überschreitet und dafür von den Göttern bestraft wird“. Um Gottesstrafe geht es an diesem Abend eher weniger, die Hybris allerdings ist tatsächlich eine konsequent und klug eingebaute Hauptfigur, die in unterschiedlichsten Gewändern präsentiert wird – in kurzen und langen, in farbenfrohen und klangreichen, meist maßgeschneiderten, stets vielschichtigen. „Mein Ausgangspunkt“, sagt Friedrich-Wilhelm Junge, der Künstler, der den Übermut auf die Bühne geholt hat, „waren Fragen: Darf der Mensch alles, was er kann? In vormoderner Zeit lautete die Antwort: Nein, darf er nicht.“ Dementsprechend programmatisch ist auch sein neues Stück betitelt. „Der Zauberlehrling oder Wir wollen sein wie Gott“ wurde am 16. Februar bei BAYER KULTUR Leverkusen uraufgeführt, seine Dresdner Vorpremiere feierte es am 3. Februar in Junges Stammhaus, auf dem Theaterkahn. Antike Mythen standen genauso auf dem Programm wie Märchen und Gedichte, Anekdoten und polemische Gegenwartstexte.

Beanspruchend und fröhlich
Eine richtig wohltuende Mischung ist Junge zusammen mit Traute Schölling (Buch) und Holger Böhme (Regie) geglückt – anspruchsvoll, beanspruchend und doch fröhlich, amüsant. Friedrich-Wilhelm Junge glänzt in seiner unnachahmlichen Art, bewegt zum Nachdenken, bringt zum Schmunzeln, alles irgendwie beiläufig, entspannt, ohne große Anstrengung. Verstärkt in seiner Wirkung wird er von den bewährten Partnern, dem Michael-Fuchs-Trio und der durchaus kreativen Ausstattung von Carsten Nüssler (Bühne) und Steffen Knopek (Grafik).
Radostina Velitchkova 

Weitere Termine und Karten
Telefon 0351/4969450
www.theaterkahn-dresden.de

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