BÜHNE & MUSIK

25.02.2013

Die Dramen hinter den Dramen – Parodien an den Landesbühnen

Wer sich an eine Farce wagt, dem ist die Furore nicht sicher. Die Gratwanderung zwischen unterhaltsamer Parodie und sinnfreiem Klamauk ist meist eine gefährliche und sorgt nicht selten für leidvolle Erfahrungen als Zuschauer. Mutig und selbstbewusst von den Künstlern der Landesbühnen Sachsen also, sich gleich an zwei Grotesken heranzutrauen, die sie als die Februar-Premieren präsentierten.Um es gleich vorwegzunehmen, leidvolle Erfahrungen musste das Publikum nicht machen. Ganz im Gegenteil. Es zeigte sich entzückt, zuweilen stürmisch vergnügt. Nun aber der Reihe nach.

Lobenswert, liebenswert

Iris Stefanie Maier als Thisbe (Foto: Robert Jentzsch)
(Foto: Robert Jentzsch)

Zuerst waren Pyramus und Thisbe dran, jene zwei Liebenden, die, Romeo und Julia gleich, einander begehren, ohne es zu dürfen. Die Geschichte dieses berühmten Liebespaares aus Ovids Metamorphosen wird an den Landesbühnen frei nach Shakespeare als eine sogenannte Mock-Opera erzählt. Sie stammt aus der Feder von John Frederick Lampe und verspottet vor allem die große barocke Geste in der Musik Händels. In der Inszenierung von Stefan Brosig hantieren auf der Bühne anstelle von „richtigen“ Schauspielern und Sängern ganz „normale“ Handwerker, die kurzerhand einspringen mussten, da das Ensemble im Stau steckt. So weit kurzgefasst das Konzept dieser Opernparodie, das bei der Premiere auf Schloss Hubertusburg kurzweilig und vergnüglich aufging. Lobenswert die gesangliche Leistung der Kammerbesetzung, liebenswert dessen schauspielerische Darbietung, beides wunderbar abgerundet von den Klängen der historischen Instrumente, auf welchen unter der Leitung von Thomas Gläser musiziert wurde.

Temporeich, intrigenreich

Sophie Lüpfert als Brook (Foto: Detlef Ulbrich)
(Foto: Detlef Ulbrich)

Nichts weniger als „Der nackte Wahnsinn“ erwartete die Zuschauer bei der zweiten Premiere an den Landesbühnen, die im Radebeuler Stammhaus stattfand. Die Farce von Michael Frayn erfreut sich seit den 1980ern ungebrochener Popularität. Dafür gibt es viele Gründe. Das Stück ist ein extrem temporeicher Slapstick, der den Zuschauern vorführt, was hinter der Bühne passiert, wenn auf der Bühne aufgeführt wird. Es zeigt mehr oder weniger die Dramen hinter den Dramen. Rasant inszeniert von Stefan Wolfram, typgerecht besetzt und gut gespielt vom Ensemble der Landesbühnen, farbenfroh-fruchtig ausgestattet von Ella Späte – Zuschauerherz, was willst du mehr? Dem Begeisterungssturm nach zu urteilen, wohl nichts weiter.
Radostina Velitchkova 

Termine und Karten unter www.dresden-theater.de

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