BÜHNE & MUSIK

25.02.2014

Komödie in Diktatur - Andreas Kriegenburgs Inszenierung „Was ihr wollt“ noch bis April am Staatsschauspiel Dresden

Die Soldaten spielen einen Hofstaat unterbelichteter Idioten
Matthias Horn/Staatsschauspiel

Jahr für Jahr im Februar machen sich die Dresdner Gedanken über ihre Geschichte und um den richtigen Umgang mit den angemeldeten Kundgebungen des rechten Spektrums. Tausende Dresdner stellen sich am 13. Februar mit der Menschenkette den rückwärts gewandten Subjekten entgegen. Am Staatsschauspiel Dresden hatte am 8. Februar Andreas Kriegenburgs Inszenierung von „Was ihr wollt“ Premiere, Shakespeares Stück versetzt er in einen faschistischen Staat. Über einen möglichen Zusammenhang kann nur spekuliert werden.

Von Julia Oliver Vollmer

Angesiedelt hat William Shakespeare sein Stück in Illyrien, eine Insel im Nirgendwo. Ein Herzog und eine Gräfin, begleitet von Musikanten und Narren bewohnen die Insel. So steht es im Original. Regisseur und Bühnenbildner Andreas Kriegenburg inszeniert Shakespeares Kulisse als Diktatur.

Hofstaat aus unterbelichteten Idioten

Herzog Orsino und sein gesamter Hofstaat tragen rote Nazi-Uniformen und regieren die Insel aus einem vergitterten Betonbunker. Doch Kriegenburg macht seinem Publikum schnell klar: ernst nehmen muss man die bedrohlichen aussehenden Soldaten nicht. Der Hofstaat besteht fast nur aus unterbelichteten Idioten, im Stück „Boys“ genannt. Um das Bedrohliche endgültig zu karikieren, wird viel gesungen auf der Bühne. Vom Kill-Bill- Soundtrack über die Beatles bis R.E.M spannt sich der musikalische Bogen. Immer wieder kehrt das Lied „Bei mir bist du schön".

Dass „Was ihr wollt“ eine Komödie über die Liebe und deren Wirren ist, vergisst die Inszenierung auch nicht. Herzog Orsino gibt zwar nach außen den Diktator, will aber eigentlich nur eines -die Gefühle von Gräfin Olivia für sich gewinnen. Und jetzt wird es kompliziert: der Herzog setzt bei der Eroberung seiner Herzdame auf die Hilfe eines Knaben, der in Wirklichkeit das Mädchen Viola ist. Viola liebt Orsino und wird in ihrer Rolle als Knabe aber von der Gräfin geliebt. Um das Chaos komplett zu machen, hat Viola auch noch einen Zwillingsbruder.

Wirrungen der Liebe und Eroberungen

Doch die Eroberung der Gräfin ist schwieriger als gedacht, sie schiebt die Trauer um Vater und Bruder vor. Nach allerlei Verwirrungen und komödiantischen Elementen finden die Paare endlich zusammen. Herzog Orsino liebt Viola, die Gräfin Olivia findet zum Zwillingsbruder.

Verfasst hat William Shakespeare seine Komödie wohl um 1601. Die Uraufführung und da ist die Quellenlage auch nicht eindeutig, fand entweder im Jahr 1602 oder 1603 statt. Das Stück wird noch bis April 2014 im Staatsschauspiel aufgeführt, weitere Informationen dazu sind unter http://www.staatsschauspiel-dresden.de/home/was_ihr_wollt/ zu finden.

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