BÜHNE & MUSIK

25.02.2013

(Foto: Kai-Uwe Schulte-Bunert)
(Foto: Kai-Uwe Schulte-Bunert)

„Mit weit geöffneten Augen“ – Der Zauberer von Oz im Feenpalast

Ein Hohelied der Fantasie sei dieses Buch und „allein zum Vergnügen der Kinder von heute geschrieben“. Die Geschichte des Zauberers von Oz sollte ein modernes Märchen werden, „in dem das Wunderbare und Frohe bewahrt bleiben, die Herzschmerzen und Albträume jedoch keinen Eingang finden“. Über 100 Jahre sind seit der Erstveröffentlichung des Werkes und diesem Bekenntnis seines Autors vergangenen. Doch zum Zauberer von Oz reisen auch die Kinder von heute immer noch gern. Begleitet werden sie dabei neuerdings sogar vom ganzen Ensemble der Staatsoperette Dresden.

Von Radostina Velitchkova
Kaum zu glauben: Dieses wunderbare Musical wurde an der Staatsoperette Dresden noch nicht aufgeführt. Darüber wundern sich die Künstler selbst am meisten und holen zum größten Zuschauerglück seit Mitte Januar das Versäumte nach. Präsentiert wird eines der erfolgreichsten Märchenmusicals – „Der Zauberer von Oz“ nach dem Kinderbuch von Lyman Frank Baum, in einer Adaption von Frank Gabrielson, mit Musik und Liedtexten von Harold Arlen und Edgar „Yip“ Harburg.

Heiterkeit und Anspruch miteinander verknüpft
Die Handlung dürfte den meisten Erwachsenen bekannt sein, nichtsdestotrotz folgen auch sie Dorothy und ihren Freunden gern ins Reich des Zauberers. Die Inszenierung von Arne Böge birgt Schätze für etliche Zuschauergruppen. Das macht die erste Arbeit Böges für die Staatsoperette allerdings keineswegs beliebig. Im besten Sinne des Wortes ist ihm eine gute Unterhaltung für die ganze Familie gelungen, und diese verknüpft auf fantasiereiche Weise Heiterkeit und Anspruch miteinander.

Fern von Überladung, satt an Farben und Einfällen
Tagträume „mit weit geöffneten Augen und rotierendem Gehirn“ waren für den Erfinder des Zauberers von Oz ein sicherer Beitrag zur Verbesserung der Welt. Fürs Inszenierungsteam waren die weit geöffneten Augen und das rotierende Gehirn vermutlich die erträumte Publikumshaltung. Daraus ist nach der Premiere Realität geworden. Fürs Auge geboten wird viel – der Ausstatter Hendrik Scheel beeindruckt und erfreut Klein wie Groß mit einer märchenhaft verspielten Bühne fern von kitschiger Überladung, satt an Farben und Einfällen. Mit solchen in Erinnerung bleiben ebenfalls die Choreografie von Christopher Tölle und die Choreinstudierung von Thomas Runge. Sie sorgen dafür, dass sich Ballett, Chor und Kinderchor der Staatsoperette leichtfüßig und ausdrucksstark in die Geschichte einfügen und diese so vorantreiben, dass man ihr wirklich nur mit weit geöffneten Augen folgen kann. Das Hirn rotieren lassen Fragen wie: Gibt es wirklich eine Welt hinter dem Regenbogen und warum wollen alle zum Zauberer von Oz, wenn ihn bisher keiner gesehen hat? Ist Mutlosigkeit heilbar und wie kann die Vogelscheuche sprechen, wenn sie keinen Verstand besitzt? Weshalb wünscht sich der Blechmann ein Herz, wenn er ganz genau weiß, dass dieses brechen kann? Fragen über Fragen, bei deren Beantwortung sich das Inszenierungsteam nobel zurücknimmt und sie der Kinderfantasie bzw. der Deutungshoheit der Eltern überlässt. Doch nicht nur Augen und Hirn werden bei dieser Inszenierung umschmeichelt. Einprägsame Melodien wandern durchs Ohr und erwärmen das Herz. Die umsichtige musikalische Leitung von Peter Christian Feigel lässt die Beiträge aus dem Orchestergraben mit den Solo- und Ensembleeinsätzen zu einem lebendigen Ganzen verschmelzen. Vorzüglich besetzte Haupt- und Nebenrollen verleihen selbst den Tierkostümen eine putzige Glaubwürdigkeit, und Olivia Delauré als Dorothy ist einfach klasse. 

Wieder am 12. und 13. März 2013, 19.30 Uhr
Karten unter Telefon 0351/2079999

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