BÜHNE & MUSIK

12.04.2013

NASH (Foto: PR)
NASH (Foto: PR)

NASH sind mit neuem Album bald wieder on Air

Zwei Saitenreiter. Der eine mit Wallehaar, der andere hingegen fast hauptblank. Ein Stickjongleur mit gesunder Skepsis. Ein Tastenherrscher auf Tournee. Ein Stimmgeber mit partieller Coverphobie. Nach einiger Zeit in Transsylvanien ist die Dresdner Band NASH wieder im Probenraum gelandet. Ein Album steht an.

Von Frances Heinrich

Klick klack, dreht sich ein Schlüssel im Schloss. Ein verlassenes Hochhaus. Ein rissiger Riese, der im Inneren noch Spuren des einst geteilten Deutschlands zeigt. Flick flack, zittert das grelle Neonlicht über die kahlen Flure. Die formieren sich zu einem kleinen Labyrinth. Klick klack, dreht sich ein Schlüssel im Schloss. Flick flack, erhellt Licht den Probenraum.

Von Frances Heinrich

Papierne Kugellampen thronen an der Decke. Mikrofone, Verstärker und Monitore, Schlagzeug, Keyboard, Bässe an der Wand, Gitarren. Im Nebenraum ein Mischpult, Computer und eine grüne Lampe, die ein lauschiges Lichtchen auf die Szenerie wirft. Es gibt noch einen dritten Raum. Darin: noch mehr Technik.
Das Probendomizil von NASH ist im Vergleich zu vielen anderen, die man von den Dresdner Bands kennt, sehr annehmlich. Vier von fünf „Nashern“ haben sich heute hier eingefunden. Der fehlende Kollege ist gerade mit einem anderen Projekt auf Tour. So bleibt das Keyboard heute eine einsame Tastenansicht.

Charismatische Coloratur

Martin, Michael, Max, Georg und Volker. Fünf Typen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Da gibt es den Lösungsorientierten, der sich einer Idee auch dann anschließt, wenn sie nicht unbedingt seine eigene ist, aber das Ziel im Ganzen befruchtet. Da gibt es den Fantasierer, der das Prickeln eines eisgekühlten Weins als Inspiration für eine Foto-Lovestory begrüßt. Da gibt es den Sanftmütigen, der sich tiefgreifenden Gedanken hingibt. Da gibt es den Beobachter, der diszipliniert an Konzepten feilt. Und da gibt es einen, der an diesem Tag von all dem nichts mitbekommt, weil er einer Grand Dame der kratzstimmigen U-Musik seine Dienste als Soundhandwerker erweist.
Bier. Wein. Eiweißshake. Nichts. Soweit die Getränkeordnung. Allgemeine Geschäftigkeit, wie man sie in den Wehen einer Albumproduktion wähnt, herrscht heute nicht. Immerhin sind NASH schon alte Hasen im Geschäft, sieben Alben stehen am Ende der Releasebilanz. Im Oktober 2011 kam mit der EP „Jumping“ ihre letzte Trommelfellrevolte heraus. Bis vor Kurzem stand die Band in der Dresdner Staatsoperette für die „Rocky Horror Show“ auf der Bühne. Erst im Sommer folgen weitere Vorstellungen.
Während der sehnlich erwartete Frühling erste Gehversuche startet, beginnen im NASH-Refugium die Goldschmiedearbeiten an der neuen Scheibe. Da wird arrangiert, gefeilt, verziert, das Funkeln verstärkt, alles noch mal blank poliert.

Beziehungsweise(n) vielfältig

Musikkonsumenten, die für das Verständnis von Musik immer auch gern ein Thema haben, werden mit den Texten des noch unbetitelten Albums sympathisieren, denn sie erzählen von etwas, das jeden Menschen unmittelbar betrifft: Beziehungen. Ja freilich denkt man nun zuerst an dieses anstrengende Modell, im romantisch veranlagten Volksmund auch Liebe genannt. „Aber das ist ja nicht alles“, wirft Sänger Georg ein. Aufatmen. Gott sei Dank, keine Liebesschnulzen. Beziehungen also decken hier im weitesten Sinne sämtliche Konstellationen zwischenmenschlicher Relationen ab. Sozial motivierte Beziehungen, etwa die innerhalb einer Familie, zwischen Freunden oder Feinden. Situativ bedingte Beziehungen, beispielsweise beim Kennenlernen oder Abschied nehmen. Oder wenn man in der Disco auf der Tanzfläche ein leckeres Häppchen Mensch sieht und der Jagdinstinkt erwacht. Beziehungen zu sich selbst, das Ego in der Gesellschaft.
Was nach Tiefenpsychologie klingt, kommt mit NASH glücklicherweise auch tiefeninstrumentiert daher und macht die ernste Angelegenheit namens Beziehungsstatus dadurch wesentlich einfacher. Ignorieren sollte man die Liedzeilen jedoch keinesfalls, allein schon der prägnanten Interpretation wegen.
Beziehungsgeflüster bedeutet nun nicht zwangsläufig balladenschwangere Tracklisten. Wer NASH kennt, weiß, dass bei diesem Quintett auch ordentlich die Post abgeht. Passend zu den emotionalen Schubladen von Beziehungen durchzieht das Album ein abwechslungsreiches Tempikonglomerat. Da wird die Gitarre auch mal ordentlich versklavt, der Bass in seine dunkelsten Abgründe geführt, das Schlagzeug bis in die letzte Beckenecke gefordert, das Keyboard heiß geschlagen und die Stimme um ein paar Phon stärker auf die Tonleiter geschickt.
Aber auch ganz neue Töne haben sich eingeschlichen. Akustische Impressionen, die man von NASH nicht kennt. Und dennoch wird das neue Album nur eins sein: NASH.

Am 31. Mai 2013 präsentiert die fünfköpfige Rockformation aus Dresden ihre neue Scheibe im Rahmen des 2. Bandfestivals Dresden im Club Puschkin.

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