BÜHNE & MUSIK

13.11.2013

Nichts bleibt wie es war - oder doch?

Dieses Jahr feiern zwei für die Herkuleskeule besondere Kabarettisten auf besondere Weise ihr gemeinsames Jubiläum. Vor dreißig Jahren traten Rainer Schulze und Wolfgang Schaller erstmalig gemeinsam auf die Bühne der Dresdner Herkuleskeule auf. Damals nutzen sie das Kabarett geschickt, um systemkritische Botschaften in die Öffentlichkeit zu tragen. Inzwischen hat sich vieles geändert. Der Sozialismus fand ein Ende, die Mauer fiel, und während Wolfgang Schaller weiterhin Hausautor der Herkuleskeule blieb und einen Stern für Satire erhielt, verschlug es Rainer Schulze nach Werningerode, wo er heute als Buchhändler, Stadtrat und Kunstförderer tätig ist.

Von Felicia Stolle

Die Jahre gingen ins Land, es ist eine neue Zeit, ein neues System, ein neuer Zeitgeist. Zumindest ist das das Verständnis der breiten Masse. Aber die eingefleischten Sozialkritiker können nicht anders, als dieser Haltung mit Skepsis zu begegnen. Den einen Blick auf die Vergangenheit gerichtet, den anderen auf die Gegenwart, beobachten sie mit Stirnrunzeln die Ereignisse der letzten Jahre. Zu Beginn ihrer Karriere dachten sie, mit Kabarett die Welt verändern zu können. Heute stellen sie mit Ernüchterung fest: Egal was die Politik zu ändern vorgibt, „alles bleibt anders“. Noch immer werden Bürger von Geheimdiensten abgehört, noch immer lügen Politiker das Blaue vom Himmel herunter und noch immer hat die Welt kein geeignetes System gefunden, das ohne politische Kontrolle des Bürgers zurecht kommt. Der bittere Nachgeschmack der NSA-Enthüllungen zeigt den beiden Kabarettisten, dass Politiker offenbar noch immer nicht dem Drang widerstehen können, ihre neuesten Wunder der Spionagetechnik an den Bürgern auszutesten.

In ihrem Jubiläumsprogramm erinnern Schaller & Schulze mit einem kleinen Ausschnitt aus ihrem ehemaligen Repertoire, das sie damals noch mit Wolfgang Stumph darboten, wie ihr Kabarett vor dreißig Jahren begann. Ein Programm, welches von der Stasi während der Vorstellung noch fleißig mitgeschrieben wurde. Im Hauptfokus stehen jedoch die Missstände der heutigen Gesellschaftsordnung. Die beiden Kabarettisten ziehen verblüffende Parallelen zwischen heutiger Zeit und damaliger Zone, auf denen sie wie Drahtseilartisten balancieren und das Publikum zur Wahl zwischen lachen und weinen zwingt. Meist geben die Lachmuskeln jedoch zuerst nach und die heitere Stimmung bleibt ein hartnäckiger Gast.

Wolfgang Schaller trifft mit seinem wunderbar sarkastischem Humor stets den Nagel auf den Kopf, oft auf den der Kanzlerin. Rainer Schulze untermalt seine köstlich humorvollen Beiträge mit gekonnten Musikeinlagen auf dem Piano, wobei er zu jedem Thema den passenden Reim – und Ton – trifft. Es lässt sich nicht anders sagen. Noch immer ist das Duo in puncto Satire ein ungeschlagenes Team. Wie ein guter Wein, so reift auch der scharfe Blick eines leidenschaftlichen Kabarettisten. Schaller stellt schließlich fest, dass sie vor 30 Jahren versuchten, die Welt zu verändern, doch auch nach dem Sozialismus ändert sich trotzdem nichts. Doch auch wenn desillusionierende Wirkung der persönlichen Erfahrung zeigte, dass sich mit der Zeit nicht alles zum Positiven geändert hat – die Kombination aus Schaller & Schulze bleibt so herrlich erfrischend wie bisher, und beglückt das Publikum weiterhin mit ironischen Blickrichtungen auf Politik und Gesellschaft.

"Alles bleibt anders" - 30 Jahre Schaller & Schulze
Die nächsten Vorstellungen

Sa, 16.11.2013, 17 + 20 Uhr
So, 17.11. 2013, 18 Uhr
Fr, 13.12.2013, 19:30 Uhr
So, 14.12.2013, 17+ 20 Uhr

Tickets unter 0351/4925555
www.herkuleskeule.de

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