BÜHNE & MUSIK

18.11.2013

Wir geben unser Bestes

Zwei Juniorkabarettisten geben ihr Bestes: Lehmann verbreitet „positive Energie-hieee“ und Schaller hält übermütigen Eltern einen Spiegel vor. Seit Oktober präsentiert die Herkuleskeule zwei ihrer begnadetsten Juniorkabarettisten auf ihrer Bühne neu. Erik Lehmann und Phillip Schaller sind durch ihre gemeinsame Late-Night-Show „Spätzünder“ in der Herkuleskeule bereits für ihren frechen, schwarzen Humor bekannt, mit dem sie das Publikum in Atem halten. Diesen verstehen sie ihm jedoch durchaus auch zu rauben, wenn es ihnen danach gesinnt.

Von Felicia Stolle

Mit ihrem Kabarett „Wir geben unser Bestes“ möchten sie ihr Können nun von Neuem beweisen. Mit ihrem Programm greifen sie Themen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Gesellschaft auf. Origineller Witz, scharfe Pointen und erhellende Mono- und Dialoge dienen dem Duo als ein wie für sie gemachtes Werkzeug, um die Lachmuskeln der Zuschauer auf Hochtouren zu bringen. Wahrlich, diese beiden verstehen ihr Handwerk. Um Haaresbreite schaffen sie es, das Publikum davon abzuhalten, sich vor Lachen auf dem Boden zu werfen. Dies gelingt ihnen, indem sie die Menge dazu bringen, Wertevorstellungen, die einem im Alltag begegnen, zu hinterfragen und sich auch mal an die eigene Nase zu fassen.

Phillip Schaller, der schon seit einiger Zeit Juniorautor der Herkuleskeule ist, liest seine Geschichten mit herrlich sachlicher Miene vor. Er weist auf Stolperfallen hin, welche die Eltern von heute auf ihre ganz eigene Weise zu meistern wissen. Er erzählt von interessanten Begegnungen und zeigt anhand ungewöhnlicher Situationen die Verschrobenheit unserer Gesellschaft auf.
Auch Erik Lehmann hat unterhaltsame Geschichten auf Lager. Für einen Teil davon verschwindet er wortwörtlich für einige Minuten in seinem Kleiderschrank, schlüpft in eine andere Rolle und erscheint als neue Figur, die er mit einem umwerfend komischen Charaktereigenschaften ausstattet. Und zwar so, dass er den Zuschauer glatt vergessen lässt, wer sich hinter dem neuen Schauspieler verbirgt. Meist nimmt er hierfür eine von vielen Stereotypen aus Unterhaltungsmedien und der unmittelbaren Nachbarschaft aufs Korn. Da ist zum einen der spießige Kleingärtner, welcher bei freundschaftlichen Annäherungsversuchen an seinen eingewanderten Nachbarn an seine Toleranzgrenzen stößt. Da ist die endlos quasselnde Hausfrau und ein übermütiger Motivationscoach auf Stöckelschuhen, der den Soldaten im Nahen Osten „positive Energie“ vermitteln soll.

Phillip Schaller und Erik Lehmann wollen mit ihrem Kabarett natürlich unterhalten. Um ja niemanden zu vernachlässigen, beschließen sie, die Menge im Saal für diesen Zweck mit einzubeziehen. Im Zuschauerraum wird der „Kabarett-Fan“durch typische Erkennungs- und Verhaltensmuster entlarvt, sein Lachen auf spezifische Torfrequenzen überprüft. Lehmann und Schaller sehen den Zuschauer als jemanden, der nicht nur an seiner Umgebung, sondern auch an sich selbst Kritik nehmen will. Diese Tatsache verlieren sie niemals aus dem Auge, was ihrem Kabarett eine persönliche und unterhaltsam-freche Note verleiht. Dies ist ein weiterer Beweis dafür, dass die jungen Kabarettartisten wissen, was sie tun: Der Gesellschaft mit ihren Macken und Verrücktheiten auf den Zahn fühlen, den Menschen einen Anreiz zum Zweifel zu liefern und dabei auch noch die Lachmuskeln zum Tanzen zu bringen.

„Wir geben unser Bestes“, nächste Vorstellungen am 26. und 27. November 2013 sowie von Dezember 2013 bis Februar 2014

www.herkuleskeule.de



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