ESSEN & TRINKEN

19.09.2013

Also... ICH könnte das nicht....

Hackbällchen oder nicht, das ist hier die Frage. (Foto: Christa Noehren/pixelio.de)
Christa Noehren

Eine durchschnittliche Party,
ein durchschnittlicher Smalltalk...
Blick meiner Gesprächpartnerin auf die Porzellanscheibe in meiner Hand.
Ich denke: „Es geht los!“ und soll Recht behalten.

Sie: „Oh, nichts Richtiges gefunden?“
Ich schaue verständnislos auf meine Ausbeute: Salat, Brot, Käse, Obst. Alles da.

Von Soy Rasmus

Sie: „Na, die hatten da auch ganz leckere Hackbällchen und so Putenschnitzel.“
Ich: „Danke, bin zufrieden mit meiner Auswahl, ich steh nicht so auf Fleisch.“

Die Gastgeberin schaut mich ganz erstaunt an. „Aber die sind total lecker, musst du echt mal probieren!“ - Ich erkläre ihr, dass es mir weniger auf Geschmack, denn auf Konsistenz ankommt und dass ich deshalb auch heute, wie bereits in den letzten 25 Jahren, keine Hackbällchen oder Putenschnitzel essen möchte. Und dann kommt er wieder... der Brüllersatz: „Na, da hast du MEINE aber noch nicht gegessen – oder machst du das wegen der Tiere?

Nein, vielleicht ist es für manche nicht moralisch ganz korrekt – aber ich mache „das“ nicht wegen der Tiere... ich esse kein Fleisch wegen der Konsistenz und des Geschmacks der Produkte die aus ihnen entstehen – aber erklär' das mal einem Fleischfanatiker. Für mich bleibt ein Hackbällchen eben das. Und je nach Zubereitung eben ein Hackbällchen mit Kümmel, irgendwelchen exotischen Gewürzen oder schlicht Salz und Pfeffer. Es bleibt Hack – und damit eine mir völlig unsympathische Masse, die in Dresden scheinbar kiloweise gegessen wird. Sogar Fanshirts für das kleingehäckselte Zeugs gibt es. Und – wen kümmert's? Ich zähle schließlich auch niemanden an, der das Zeug verspeist. Interessanterweise ist meine Abstinenz davon häufig Gesprächsanlass.

Da gibt es zum Beispiel die Einfühlsamen... die mit ihren Fragen der Inquisition im mittelalterlichen Deutschland durchaus Konkurrenz machen könnten. Von fehlenden Geschmacksknospen, Drüsen im Körper bis hin zu tiefenpsychologischen Ansätzen, fehlender Elternliebe reichen die Vermutungen der Verbalhenker meines so harmlos angestrebten kulinarischen Vergnügens.

Wenn dieses Verhör dann endlich fertig und wir mit ihrer peinlichen Befragung fertig sind, ist mein Essen kalt - und mein Appetit vergangen. In meinen Ohren schallt noch das Unverständnis nach: „Also ICH könnte DAS nicht – so ganz ohne.“ Hat ja auch keiner gesagt - und ich erst recht nicht.

Und ein weiterer Favorit in der „Unverständnis TOP-TEN“... „Da würde mir ja echt was fehlen“ … mhm.- Lass mich überlegen... ja, mir fehlt was: die Gemüsebratlinge und gegrillten Fetakäsetaschen zum Beispiel... die freundlicherweise für sich so seltsam ernährenden Menschen wie mich gedacht sind – und meist doch von den „Fleischfressern“ mit höchstem Genuss verspeist werden. Gern garniert mit Aussagen zum Schlechtes-Gewissen-kaschieren: „Also, ich esse ja EEECHT wenig Fleisch“ oder „Nee, nur vom Biohof die Schnitzel für zu Hause...“ und es könnte mir nicht egaler sein. Denn ich denke, dasS es jeder für sich selbst entscheiden soll. Doch mal eine Party erleben ohne dieses Veggi-Bullshit-Bingo? Also DAS(!) könnte ICH mir nicht vorstellen.

 

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