ESSEN & TRINKEN

04.09.2013

Bekömmliches in eigenen Schüsseln

Gemüseburger, gegrillte Aubergine. Veganes Essen gewinnt immer mehr Begeisterung. Die vegetarische und veganen Restaurants schießen in der Neustadt schon seit geraumer Zeit nur so aus dem Boden. Zum alten Hasen Lotus gesellte sich der „Falsche Hase“ und jüngst das „Flax“ auf der Kamenzer Straße. Ich entschied mich, dem Trend auf die Spur zu gehen und kehrte im Oldie, dem Lotus, auf der Louisenstraße ein. Restaurantleiterin Hannah Frenzel empfängt mich mit einer kühlen Ingwer-Brause. Herrlich bei diesem Wetter.

Von Julia Vollmer

2007 gegründet, hat das Lotus inzwischen den dritten Besitzer. Unter dem neuen Team, das seit 2011 für veganes Essen in der Neustadt steht, soll der Imbiss zum Entspannen und zum Ausprobieren einladen. „Es schmeckt auch alles ohne Fleisch“, schickt Hannah Frenzel gleich mal die Devise vorab. Im Lotus gibt es keine Fleischgerichte und alles ist laktosefrei. Ersetzt wird mit Tofu und Soja- oder Hafermilch. „Ich höre immer mehr von Kunden, die unter einer Laktoseunveträglichkeit leiden. Die normale Kuhmilch, wenn man bei der abgepackten überhaupt noch davon sprechen kann, scheint immer schlechter verdaulich zu sein“, so die Restaurantleiterin. Ebenso wichtig, wie die fleischlose Küche ist dem Lotus die ausschließliche Verwendung von Bioprodukten. „Wir verwenden nur saisonale und regionale Produkte“, so Frenzel stolz. Das Lotus versteht sich als Gegenentwurf zur veganen High-Society mit Weintrauben-Kilopreisen von zehn Euro. Und tatsächlich, auf der Karte finden sich auch Gerichte, die man sich auch mit schmalem Kontostand leisten kann. Das Angebot reicht von hawaiianischem Curry, über Brokkoli-Nudeln bis zur indischen Linsensuppe. Auch viele Studenten sind Gäste im Lotus. Ganz der Philosophie des Ladens folgend, kann man sogar eigene Schüsseln mitbringen, um das Essen abzufüllen. So spart man die Verpackung.

Die Restaurantleiterin selbst ist keine Veganerin. Ab und zu kaufe sie sich mal ein Stück Fleisch, dann aber natürlich Bioqualität. Kuhmilch und Joghurt kauft sie nicht mehr. „Ich fühle mich seit der Ernährungsumstellung viel besser und ausgeglichener“, erzählt Hannah Frenzel. Zwölf Jahre lang war die 30-Jährige Vegetarierin. In der Fastenzeit hatte sie es einmal ausprobiert und war dabei geblieben. „Am anstrengendsten waren immer die Bemerkungen meiner Mitmenschen: Komm, iss doch mal eine Wurst!“ Die studierte Grundschullehrerin beschreibt, dass viele Gäste inzwischen Stammkunden geworden sind - und von dem magenbekömmlichen „cook&chill“-Verfahren nach Lehre der Ayurveda. Da viele ihrer Gäste auch über Gluten oder Laktoseunverträglichkeit klagen, müssen sich die Mitarbeiter des Lotus-Imbiss manchmal auch als Ernährungsberater betätigen, erzählt Hannah Frenzel schmunzelnd. Man müsse selbst herausfinden, welche Lebensmittel dem eigenen Körper gut tun, seine eigene Balance finden. „Ich fände es gut, wenn bereits im Kindergarten der Grundstein für eine bewusste Ernährung gelegt wird. Dort sollte es eine Ernährungsberatung geben“, argumentiert die Restaurantleiterin.

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