ESSEN & TRINKEN

01.07.2013

Die Krönung: Milchschaum (Foto: Marianne J./pixelio.de)
Marianne J./pixelio.de

Nicht die Bohne fad:
Kaffeeliebe quer durch die Landeshauptstadt

Ja, alle Stereotype stimmen. Die meisten Leute, die für Agenturen arbeiten, sind Kaffee-Junkies. Ich bekenne mich! Schlimmer noch, ich stehe ganz selbstbewusst dazu. Ich bin stolzer Kaffee-Junkie! Komme, was wolle, das „Schälchen Heeßes“, wie man in meiner sächsischen Wahlheimat sagt, hat mir bis jetzt noch jeden verregneten Montagmorgen versüßt. Ohne Frage, guten Kaffee hat die Landeshauptstadt vielerorts zu bieten, aber jeder Einzelne unter uns hat seine Lieblingsorte, ich auch. Weil heute ausnahmsweise die Sonne scheint, schwing ich mich auf mein Rad und ab geht’s an die Elbe, den schönen Radweg entlang. Ich hab einen Termin am Schillerplatz. Montäglich-müde strampele ich mich von der Altstadt Richtung Blaues Wunder, das ja eigentlich grün ist, und brauche nur eines: Koffein!

In der Loschwitzer Straße, Nähe Schillerplatz, liegt eine Espressobar versteckt, die so beeindruckend ist, dass durchreisende Poetry Slammer ihr Texte widmen: Charlottes Enkel. Ich bin ziemlich schlecht im schätzen, aber der Laden ist wirklich klitzeklein, misst vielleicht nur zwölf Quadratmeter. Die wenigen Meter sind jedoch geballte Kaffeeleidenschaft. Die Bohnen bezieht Charlottes Enkel von den Phoenix Coffee Roasters – eine Rösterei, an der sowieso kein Kaffeeliebhaber hier und andernorts vorbeikommt. Das bedeutet: Nur frische Ernten, transparent und fair gehandelte Bohnen, exklusiv geröstet und geschmacklich mehr als überzeugend.

Ich bestelle mir einen Espresso, der mir vor Bitterkeit den Mund verzieht (yes!) und kuschele mich kurz auf das Mini-Ecksofa neben der Theke. Dann konzentriere ich mich zehn Minuten darauf, nicht der süßen Versuchung zu verfallen, einen dieser niedlichen Muffins, die dort stehen, in meinem Mund zu stopfen. Die Chefin bäckt die bunten Törtchen selbst. Generell wirkt hier alles mit Liebe zum Detail selbst konzipiert und umgesetzt. Viel Zeit hab ich aber nicht, die Arbeit ruft und ich begebe mich zum besagten Meeting.

Nach eineinhalb Stunden schwing ich mich, immer noch koffeinerfüllt, wieder auf das klapprige Rad, das mal meiner Omi gehört hat, und fahre an der Elbe entlang zurück – jetzt mit Gegenwind. Vorne am Flohmarkt geht es über die Albertbrücke, Neustadt-Seite ich komme. Ich habe noch zwei Termine, bevor ich meinen Drahtesel in der Louisenstraße unter einem roten Metall-Fuchs anschließen kann, der dort eine Fassade verschönert. Hallo tanteleuk, gesprochen tante[löök], mein Hort ewiger Glückseligkeit.

Der Name dieses Cafés geht auf die niederländische Verwandtschaft der Besitzer zurück und die sagen zu allem, was schön oder gut ist „leuk“ (löök). Das Beste an diesem Café ist, dass es immer nach frisch gebackenem Kuchen riecht. Da ist es auch schnell mit meinem Widerstand vorbei und ich bestelle ein Stück veganen Bio-Apfelkuchen, dazu eine Tasse handgefilterten Fairtrade-Kaffee. Für den Kaffee nimmt man sich hier mit großer Freundlichkeit Zeit, niemand hetzt, die Bohnen werden frisch gemahlen. Es ist der perfekte Ort, sich zu entschleunigen, während der Blick durch diesen außergewöhnlich schönen, hellen Laden wandert. Von den Fliesen mit Siebdruck-Tieren bis zum gemütlichen Balkon zeugt das Ambiente von Geschmack. Ein Ort, an den ich Omi und gleichzeitig meine 14-jährige Nichte einladen würde und keine von beiden würde sich fehl am Platze fühlen. Satt und gestärkt verlasse ich tanteleuk – nicht ohne darüber nachzudenken, wie neidisch ich auf das [löök]-eigene Vintage-Geschirr bin.

Nach zwei schier endlosen Besprechungen und einem Interview auf der anderen Elbseite, ist es später Nachmittag und meine Sucht führt mich zum Wiener Platz, denn im Kugelhaus hat die Dresdner Kaffee und Kakao Rösterei vor gar nicht allzu langer Zeit einen neuen Kaffee-Shop eröffnet. Auch hier wird selbst geröstet. Die Betreiber streben nach eigener Aussage nach handwerklicher Perfektion, rösten, kosten und probieren also, was das Zeug hält. Die Rösterei sahnt Preise ab und bietet Kurse rund um das aromatische Heißgetränk an. Ich behalte das im Hinterkopf und wundere mich erneut darüber, dass die Röster, nun ja, den offensichtlich offiziellen Dynamo-Dresden-Kaffee rösten und anbieten. Dann aber kommt mir der Gedanke, dass Dynamo ja sogar einen offiziellen Nudelpartner hat und ich sowieso keine Ahnung von Sportmarketing habe. Ich höre auf zu grübeln und genieße einen wunderbar cremigen Feierabend-Kaffee, um dann aufgedreht wie nach jedem Arbeitstag zu überlegen, was wohl der heutige Abend noch so bringt.

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