FAMILIE & FREIZEIT

31.05.2013

Brautpaar (Foto: Fotolia)
Brautpaar (Foto: Fotolia)

Freiheit trotz eines Fingerrings

Es klingt ein bisschen wie „Hilfe“: Hîwa, das altgermanische Wort für Heirat. Und im Prinzip trug es in diesem sprachlichen Kosmos auch die so gemeinte Konnotation, denn es bedeutete nicht die Ehe, wie wir sie heute kennen, sondern bezeichnete eher den gemeinsamen Hausstand oder die Hausgemeinschaft. Erst im Mittelhochdeutschen tritt ein der Ehe ähnlich lautender Begriff hervor, der allerdings auch Gesetz bedeutete. So ist sie in der Gegenwart also eine gesetzlich anerkannte wie reglementierte Lebensgemeinschaft. Liebe ist allerdings nicht immer die Motivation für die Heirat gewesen.

Das starke Geschlecht ist etwas, worüber emanzipierte Damen bisweilen den Kopf schütteln. Während sich die Frau von heute allerdings nur noch von herumliegenden Socken bedroht fühlt und den Rest ihres Lebens auch bestens allein meistern kann, sah das in der Menschheitsgeschichte noch anders aus.
Im frühen Mittelalter bot die Sippe der Frau Schutz. Trat der Bräutigam an die Stelle der Sippe, zahlte er dafür eine gewisse Menge Geld und man sprach von einer sogenannten Muntehe. Mit dem Schutz übte der Mann im Mittelalter jedoch auch Herrschaft aus, die Frau hatte kein Mitspracherecht. Die höheren Gesellschaftsschichten vorbehaltene Muntehe folgte schließlich der politischen, wirtschaftlichen oder sozialen Motivation der daran beteiligten Sippen.
Auch in der breiten Bevölkerung gab es diese Form der Zwangsehe, wobei die Verbindlichkeit hierbei zumindest für den Mann nicht so zwingend war und sich auch der formale Rahmen recht unspektakulär zeigte.
Erst ab dem 10. Jahrhundert trat die Konsensehe ihren Siegeszug an. Entscheidenden Anteil daran hatte die Kirche, deren Macht sich bis ins 11. Jahrhundert so weit ausgedehnt hatte, dass der sakrale Segen bald zur Pflicht avancierte.
Martin Luther und die protestantische Kirche allerdings sprachen sich gegen dieses absolute Eheverständnis aus, und so setze sich ab dem 17. Jahrhundert im Zuge der Modernisierung Europas auch ein aufgeklärtes, humanistisches Bild der Ehe durch: Freiheit, Verantwortung und Vernunft sind demnach bis heute die Grundlagen der Liebesheirat.

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