FAMILIE & FREIZEIT

25.11.2013

Hilfe, meine Tochter ist ein Mädchen!

„Was schenke ich meiner Tochter zu Weihnachten?“ Zum zweiten Weihnachtsfest grübelt Carlos über ein Geschenk für seine fast 2-jährige Tochter. Der 32-jährige Vater muss sich im Spielwarenladen zwischen Prinzessinnen und Superhelden entscheiden.

von Juan Carlos Oliver-Vollmer

Geschenke für ein Baby sind einfach. Quasi jeder Gegenstand fördert ja irgend einen Sinn — daher war bisher für meine Frau und mich eigentlich jedes Geschenk quadratisch, praktisch, gut. Höhepunkte hoben wir für unsere Lotte zu den beiden großen Terminen auf: Zum ersten Weihnachtsfest letztes Jahr gab's daher einen Kreisel und etwa einen Monat darauf zum ersten Geburtstag ein Bobbycar. Aber was sollte Lotte dieses Jahr zu Weihnachten bekommen?

Zwar üben Geschenkpapiere immer noch mehr Faszination auf meine nun fast zweiährige Tochter aus als deren Inhalt, doch irgendwie sind die Zeiten von Plastikverpackungen und alten Ladekabeln, die als Spielzeug herhalten, vorbei. Mein Kind ist schließlich jetzt kein Baby mehr! Ich bin da inzwischen völlig frei von allem Praktischen oder Sinnvollen, ich will Lottes große Augen zum Strahlen und Staunen bringen.

Zum ersten Mal sah ich ihre Faszination für ein echtes Spielzeug, als meine Tochter sich für ein kleines braunes Pferdchen auf einem Flohmarkt entschieden hatte. Ab diesem Zeitpunkt überwog das Spielzeug vor dem Nutzzeug. Und ich erkannte, dass meine Tochter ein Mädchen ist.

Meine Tochter lebt noch keine Rosa- oder Glitzerphase - worüber ich auch sehr glücklich bin. Aber: Ich befürchte, diese Phase wird noch kommen und dagegen kann ich auch nichts tun. Ich kenne mich mit Mädchenzeug halt nicht aus - ich spiele auch heute noch gerne Jungszeug, mag Ritter in Stahlrüstungen genauso gern wie maskierte Helden in Sportwagen. Um dieses Spielzeug kommt Lotte jetzt nur mit einem Veto ihrer Mutter drumherum.

Der Gang in den Spielwarenladen weckt dabei Jungsgefühle: Krasse Action-Figuren, mit denen ich selbst gern spielen würde, schreien mich in ihren bunten Verpackungen förmlich an, und manchmal möchte ich mein Kind als Vorwand vorschicken, um diese zu kaufen. Die Super-, Bat- oder Spiderman-Figuren sind wie früher reizvoll bunt und verdammt cool verpackt. Meine Frau wird meine strahlenden Augen für Riesenroboter und Raumschiffe genauso wenig verstehen wie ich verstehe, wieso Mädchen immer mit Barbie gespielt haben. Die pinke Ecke im Spielwarenladen meide ich schon instinktiv, weil ich damit nichts anfangen kann.

Mädchen und Jungs haben da völlig unterschiedliche Spielansätze. Mädchen spielen echtes Leben, Jungs spielen unrealistische Fantasien. Diese beiden Spielwelten sind nur bedingt vereinbar. Die Vorstellung, muskelbepackte Superhelden mit dem Löffel zu füttern erscheint mir jedenfalls irgendwie falsch.

Aber es gibt auch gemeinsame Nenner zwischen mir und meiner Frau. Das sind die Unisex-Klassiker unserer eigenen Kindheit. Bei Plastebausteinen sagen wohl nur Holzspielzeug-Fanatiker nein. Die dazugehörige Marke hat sich als ein Standard vom Klein- bis Schulkindalter bis heute gehalten. Weitere Alternative sind diese kleinen Figuren mit den Pilzköpfen: zwar wenig bewegungsfähig, aber dafür auch fast unzerstörbar. Da der erwähnte Kreisel vom letzten Weihnachtsfest nach knapp 18 Stunden Spiel-Einsatz kaputt ging, erschien uns die Entscheidung für eine PPilzkopffiguren-Arche als sinnvoll wie niedlich.

Wir beide freuen uns jetzt jedenfalls schon auf den Moment, wenn Lotte das Geschenkpapier öffnen und ein Schiff mit zwei Männchen und einigen Tierpaaren anstrahlen wird. Darum gehts doch bei Weihnachtsgeschenken, oder?

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