FAMILIE & FREIZEIT

04.07.2013

Bald schon Ironman? Thomas Hartmann (Foto: privat)
privat

Der mit dem eisernen Willen

Thomas, erzähl uns ein bisschen was über dich: Wie alt bist du, woher kommst du, was machst du beruflich?

Ich bin 34 und komme aus Moritzburg. Ich arbeite als Schreibtischsportler, also in der IT. Seit frühester Kindheit spiele ich Fußball beim TSV Reichenberg. Mit Claudia, meiner Freundin, bin ich seit zwölf Jahren auf dem Mountainbike unterwegs. Anfangs nur in der Umgebung, später dann auch auf richtigen Urlaubstouren durch die Alpen.

Bist du eher ein Couchsportler oder ein Semiprofi?

Weder noch. Ich versuche, mir den Spaß an der Sache beizubehalten und nicht alles bierernst zu nehmen. Ich würde sagen: Hobbysportler mit Hang zu Genussdingen. 2009 schenkte ich Claudia ein Buch von Henri Lesewitz als Motivation für den nächsten Alpenurlaub. Das handelte von einem Typen und seiner Vorbereitung auf den Grand Raid Cristalp, einem verrückten Mountainbike-Rennen in der Schweiz. 120 Kilometer, fünf Alpengipfel, 5400 Höhenmeter. An einem Tag. Dieses Buch änderte alles. Kaum hatte ich es selbst gelesen, fragte ich mich, ob es für einen „Normalo“ wie mich – der sich durchaus 1/3 dieser Renndistanz an einem Tag zutraute – möglich sei, bei diesem Rennen ins Ziel zu kommen.

Wie kamst du auf die, Idee beim Ironman mitzumachen?

Noch während der Grand-Raid-Cristalp-Vorbereitung haben Claudia und ich zum ersten Mal dem Schlosstriathlon in Moritzburg zugeschaut. Eigentlich ein Unding für uns sportbegeisterte Locals – immerhin war es schon die achte oder neunte Auflage. Es war ein Sonntagnachmittag, die Jedermann-Distanz. Toller Volkssport. Wir standen an der Wechselzone und haben praktisch alles gesehen: von der Highend-Carbon-Rennmaschine bis hin zum klapprigen Mountainbike, vom hauchdünnen Triathlon-Rennanzug bis hin zu einer Frau, die sich im Sommerkleidchen auf ihr Damenrad schwang und losfuhr. Wir hätten am liebsten sofort mitgemacht. Nach dem Cristalp (bei dem ich überglücklich als Allerletzter nach fast zwölfeinhalb Stunden das Ziel erreichte) erlernte ich mühsam Kraul-Schwimmen und Claudia das Laufen. 2010 standen wir dann in Moritzburg selbst am Start. Ab da hatte mich der Triathlonvirus infiziert, 2011 folgte für mich die erste Ironman-Distanz. Seither habe ich vier solcher Langdistanzrennen bestritten, den letzten Mitte Mai auf Lanzarote. Vom Ironman Hawaii hat sicher jeder schon mal etwas gehört. Er gilt als Mythos, als Traum eines jeden Triathleten. So auch bei mir. Eine Qualifikation scheint für mich unmöglich. Aber es gibt auch für Hobbysportler Varianten, einen der begehrten Startplätze zu bekommen. Zum Beispiel ein Lostopf, bei dem jährlich Tausende Athleten auf wenige Startplätze hoffen. Oder eine Ebay-Auktion, für die mir das nötige Kleingeld fehlt. Und hier kommt mein im Vergleich zur Konkurrenz „etwas anderes“ Bewerbungsvideo ins Spiel.

Wie viel trainierst du, hast du Ernährung, Lebensstil usw. schon stark umgestellt?

Ein Ironman, das bedeutet 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und ein anschließender Marathonlauf über 42 Kilometer. Für Außenstehende ist das unvorstellbar und trotzdem für fast jeden machbar – wenn man es will. Ich bereite mich ein halbes Jahr lang darauf vor. Anfangs etwa fünf Stunden bis hin zu maximal 20 Stunden Training kommen da pro Woche zusammen - bei jedem Wind und Wetter. Natürlich bleibt da auch eine Änderung des Lebensstils nicht aus, wie soll man sonst Freundin, Freunde, Familie, Arbeit und Sport unter einen Hut bringen? Ohne Unterstützung im Umfeld ist so ein Ironman ganz schwer realisierbar. Trotzdem gönne ich mir ab und an ein Feierabendbierchen. Und donnerstags ist Schnitzeltag in unserer Kantine. Das ist quasi Pflichtprogramm. Wie gesagt: Hobbysportler mit Hang zu Genussdingen.

 

Zurück