FAMILIE & FREIZEIT

08.05.2013

Vom Verbot zum Sommerhit – Biergarten (Foto: Jürgen Heimerl/pixelio.de)
(Foto: Jürgen Heimerl / pixelio.de)

Vom Verbot zum Sommerhit

Sobald die Sonne lacht, sind sie die heiß begehrten Ausflugsziele: Biergärten. Nach einem recht frischen ersten Mai steigt die Hoffnung auf einen wärmeren Männertag. Auch dann werden die Freisitze in und um Dresden wieder reich besetzt sein. Doch wer ist eigentlich dafür verantwortlich, dass wir heute bei gutem Wetter in der lauschigen Natur sitzen und uns den Gerstensaft servieren lassen können?

Von Frances Heinrich

1539 erließ Bayern seine Brauordnung. Darin hieß es unter anderem, dass Bier lediglich zwischen dem Fest- und Feiertag des heiligen Michael, also zwischen dem 29. September und 23. April, gebraut werden dürfe. Aufgrund der Brandgefahr während des Biersiedens war es im Sommer strikt verboten, Bier herzustellen. Es zu trinken, war im Sommer natürlich erlaubt. Es musste also ein Biervorrat her, der über die warmen Monate reichte. Also braute man das Hopfengetränk in den letzten Wochen der Herstellungsphase einfach stärker ein und verlängerte so die Haltbarkeit.
Doch wie hielt man den Vorrat nun kühl? Da die Keller der Brauereien durch die Bierproduktion bereits belegt waren, entstanden hier nun spezielle Bierkeller. In München, dem Geburtsort des Biergartens, konnte man die Keller allerdings nicht so tief anlegen, da der Grundwasserspiegel buchstäblich im Wege stand. So pflanzte man rundherum noch große Bäume an, meist Kastanien, um den kühlenden Effekt des Schattens zu nutzen.
Die Brauer hatten nun die Idee, ihr Bier unmittelbar an die durstigen Menschen zu verkaufen und bauten unter das raschelnde Blätterdach Tische und Bänke auf. Freilich gefiel das den Wirten überhaupt nicht, schließlich sollten die Leute doch bei ihnen einkehren. Aber Brauer und Wirtszunft fanden einen Kompromiss: Der Verkauf von Speisen war im Biergarten untersagt. Stattdessen konnten sich die Menschen ihre Brotzeit selbst mitbringen.
In traditionellen Biergärten, wie sie nun nicht mehr nur in München und Bayern zu finden sind, ist das auch heute noch so. Da manch ein Gast aber auch weite Reisen hinter sich hat und man sich an manchen Tagen einfach auch nur bedienen lassen möchte, wird in vielen Biergärten mittlerweile auch der ein oder andere Happen angeboten. In Dresden wird darüber auch kein Streit vom Zaun brechen, denn hier sind viele der urigen Gärtchen auch einer Brauerei zugehörig – und so beschwert sich wohl kein Wirt, wenn zum kühlen Blonden auch eine Sättigungsbeilage gereicht wird.

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