FAMILIE & FREIZEIT

25.02.2013

Zwei Buchempfehlungen – lesenswert nicht nur im Wagnerjahr

Es ist ein ehrliches Buch. Dieses Gefühl bekommt man bereits beim Durchblättern, und man wird es während der Lektüre nicht mehr los. Es ist ein Buch, das gefangen nimmt, wie ein Leser auf Amazon schreibt. Es ist ein sowohl sachlich als auch lebendig verfasstes Werk, wie das Feuilleton lobt. Christian Thielemanns „Mein Leben mit Wagner“ ist eine Pflichtlektüre nicht nur für alle tatsächlichen oder potenziellen Wagnerianer im Jubiläumsjahr, sondern für Kulturbegeisterte jeglicher Couleur. Auf gut 300 Seiten gewährt einer der besten Dirigenten der Gegenwart direkte und klug ausgewählte Einblicke in seine Gedankenwelt, über die man staunen darf – so über die Opernleidenschaft des Kleinkindes, die Disziplin des Buben, die Musikinteressen des Pubertierenden oder den Arbeitseifer des angehenden Künstlers. Sein Weg, der, im Nachhinein und oberflächlich betrachtet, hindernisarm und gesäumt von Jubel und Erfolgen erscheint, ist keineswegs so zwingend und geradeaus verlaufen. Ein roter Faden lässt sich darin dennoch finden. Diesem folgt das Buch Thielemanns und erzählt von einem Leben für und mit der Musik. Dabei ergründet er vor allem seinen eigenen Wagner-Enthusiasmus sowie den Kosmos dieses Jahrhundert-Komponisten, dessen Werdegang ebenso nicht immer von Erfolgen gekrönt war. Christian Thielemann nimmt seine Leser mit, hinter die Kulissen von Bayreuth und des Opernbetriebes überhaupt, und lässt sie an der Entstehung oder auch am Scheitern des Bühnenzaubers teilhaben. Mal smart sinnierend, mal im launigen Plauderton – nicht nur als Dirigent erzeugt der Ausnahmemusiker Thielemann stets den richtigen Klang und bleibt dauerhaft in Erinnerung.

Die Fülle an Fakten und Zusammenhängen, mit welchen die Doppelbiografie „Wagner und Verdi“ auftrumpft, behält man im Detail naturgemäß schwer in Erinnerung, wohl aber die Beharrlichkeit eines Autors, der wenig von kulturhistorischen Gewissheiten hält und diese fundiert hinterfragt. Somit ist Eberhard Straubs Werk mit dem Untertitel „Zwei Europäer im 19. Jahrhundert“ viel mehr als eine Doppelbiografie. Es ist das Porträt eines aufrüttelnden Jahrhunderts und eines Kontinents im Aufbruch. Die persönlichen Empfindlichkeiten samt latenten oder teilweise ausgelebten Feindseligkeiten der großen Komponisten, die sich ganz kleinlich aus dem Weg gegangen sind, werden in einen weiten historischen Kontext eingebettet. Dabei wechselt der Erzählstandpunkt fortwährend – der Blick des Autors und somit auch des Lesers wird ins Innere gerichtet und gleich darauf nach dem Äußeren. Persönliche Marotten Wagners oder Verdis werden in anekdotischer Kürze beleuchtet; kulturhistorische Hintergründe fachkundig, gar philosophisch ausgeleuchtet. Eine weitere Buchempfehlung fürs Jubiläumsjahr, die sich zwar nicht so leicht wie die erste liest, dennoch eine lohnende Beschäftigung bietet. vel

Christian Thielemann „Mein Leben mit Wagner“, Gebundene Ausgabe: 319 Seiten, Verlag: Beck;
ISBN-13: 978-3406634468, Preis: 19,95 Euro

Eberhard Straub „Wagner und Verdi. Zwei Europäer im 19. Jahrhundert“, Gebundene Ausgabe: 352 Seiten, Verlag: Klett-Cotta; ISBN-13: 978-3608946123, Preis: 24,95 Euro

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