GESUNDHEIT & WELLNESS

19.07.2013

Behandlung durch die Kraft der Hände

Die legen doch nur die Hände auf! Ich glaube nicht an so einem Quatsch! Osteopathen müssen immer wieder mit Vorurteilen kämpfen. Vor der Geburt meiner Tochter hatte ich mit Naturheilkunde und Osteopathie keinerlei Berührungspunkte. War ich krank, nahm ich eine Tablette und gut. Als die Hebamme mir während der Geburt ernsthaft Akupunkturnadeln gegen die Schmerzen in die Zehen stechen wollte, habe ich gedacht: Das überlebe ich nicht.

Von Julia Vollmer

Als meine Kleine dann auf der Welt war und statt wie jedes andere Kind beim Auto fahren nicht sofort schlummerte sondern schrie wie am Spieß, beschloss ich: Einfach probieren. Ich hatte schon von einigen Mamas den Tipp bekommen, zum Osteopathen zu gehen. Kurzentschlossen machte ich einen Termin. In einer Praxis in Striesen traf ich Anja Kisters. Die 37-Jährige lebt ihren Beruf mit ganzem Herzen.

Nach einer Ausbildung zur Physiotherapeutin suchte sie nach neuen Entfaltungsmöglichkeiten und stieß auf die Lehre der Osteopathie. Fünf Jahre lang dauerte die berufsbegleitende Ausbildung. Für die sechs Kurse im Jahr hat Anja Kisters rund 15.000 Euro bezahlt. Nach jeweils sechs Kursen pro Jahr musste sie eine Prüfung meistern. Ihre Diplomarbeit schrieb sie zum Thema „Frauen nach der Schwangerschaft“. Mit diesem Thema kennt sich die 37-Jährige bestens aus. Ihre inzwischen achtjährige Tochter hat Anfang Juni noch ein kleines Schwesterchen bekommen. Seit 2007 arbeitet Anja Kisters freiberuflich in einer Praxis in Striesen. Dort behandelt sie vor allem Babys mit Blockaden und Schlaf- und Verdauungsstörungen. Ursachen dafür sind häufig eine schwere Geburt mit Wehentropf oder Stress der Mutter während der Schwangerschaft. Anja Kisters fühlt die Blockaden der Babys am Kopf oder Becken und behandelt sie so. Auch Babys, die nicht essen wollen oder den Kopf schief halten, sind Patienten bei der Osteopathin. Doch auch größere Kinder und Erwachsene können Hilfe in der Osteopathie finden.

Behandelt werden können Konzentrations- und Augenprobleme oder Aufmerksamkeitsstörungen. Um die Blockaden fühlen zu können, bedarf es einiger Übung, erzählt Anja Kisters. „Man muss an sich glauben und darf nicht aufgeben, irgendwann fühlt man es.“ Vertrauen zu sich selbst zu haben, sei wichtig in ihrem Beruf. Inzwischen hat die junge Frau schon eine Menge Weiterbildungen absolviert. Geradezu süchtig sei sie danach, erzählt sie schmunzelnd. Wie sie das mit zwei Kindern alles schafft, frage ich. „Ich bin sehr gut organisiert und kann mich zum Beispiel beim Putzen sehr gut entspannen.“

Die Vorurteile der Patienten seien am Anfang recht hoch gewesen. Inzwischen – Osteopathie wird in der Zwischenzeit von vielen Krankenkassen bezuschusst – seien die seltsamen Nachfragen weniger geworden. Die junge Mutter würde sich wünschen, dass Ärzte und Osteopaten in Zukunft enger zusammenarbeiten, denn oft kommen beispielsweise Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen von zu viel Stress oder Verspannungen, die man durch eine natürlich Behandlung heilen könnte, ohne immer gleich eine Tablette zu nehmen. Bei ihren eigenen Kindern versucht Anja Kisters auf jegliche Medikamente zu verzichten. Die ausgebildete Heilpraktikerin versucht, die Probleme mit natürlichen Mitteln zu bekämpfen.

Egal ob man daran glaubt oder nicht, meiner Tochter und damit mir hat die Behandlung durch die Osteopatin auf jeden Fall geholfen. Zwei Tage nach der Therapie brauchte ich nur noch den Motor meines Autos anzulassen und schon schlummerte mein Baby friedlich in seiner Autoschale.

 

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