WIRTSCHAFT & HANDEL

17.06.2013

Schubladen in Dresden-Neustadt (Foto: Manja Branß)
Manja Branß

Antje Schönes Kunsthofschatz:
Im Schubladen thront, was nur ein Herz und eine Hand zu zaubern vermögen

Am oberen Ende der Wendeltreppe steht eine blonde junge Frau mit heiterem Blick an einer großen Werkbank. Geschäftig streicht sie Holz, schraubt Haken in Treibholz und stempelt Preise auf buntes Papier. Vor ihr liegen neben einigen Werkzeugen viele Stücke bearbeitetes Holz. Was wird daraus entstehen? Vielleicht ein Vogelhäuschen, vielleicht ein Briefkasten? Oder ein anderes individuelles Stück, wie es hier so viele gibt? Eins ist klar: Antje Schöne, Besitzerin des kleinen Ladens, verwandelt Holz in außergewöhnliche Geschenkartikel.

Von Manja Branß

Der studierten Germanistin ist die Passion für Gestaltung und Dekoration in die Wiege gelegt worden. Das elterliche Haus mutet wie eine Szene aus einem Wohnmagazin an, erzählt Schöne uneitel. Die Schwester der 28jährigen etwa leitet eine Inneneinrichtungsabteilung eines Baumarktes. Handwerkliche Fertigkeit liegt in Schönes Familie, nicht ungewöhnlich also, dass sie schon früh das Werkzeug in die Hand genommen hat um damit ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. „Man hat eine Idee, setzt sie um und verschenkt sie“, erklärt Schöne die Anfänge ihres Kunsthandwerkes, „dann bestellen Freunde, Kollegen... Der Wunsch nach einem eigenen Laden war schnell da.“ Ein paar Jahre später, nach einem Gründerseminar und mit viel moralischer Unterstützung der Familie hat es spontan geklappt.

Seit Oktober des letzten Jahres ist Schöne nun mit ihrem Lädchen im Kunsthof beheimatet. „Und das, obwohl zur Eröffnung noch nicht alles fertig war“, sagt sie, „aber ich dachte, sowas entwickelt sich ja auch.“ Sie hat Recht behalten. Von Chaos in den Eröffnungstagen kurz vor dem Weihnachtsgeschäft ist heute nichts mehr zu spüren. Der Schubladen wirkt hell und freundlich. Es gibt viel zu staunen: Zu den Deko-Artikeln aus Treibholz gesellen sich Häkelhäschen, auf der Kommode finden bunte Schminktäschchen Platz und von der Wand bezaubern regionale Künstler. Ein typischer Geschenkeladen – und doch etwas Besonderes.

„Alles, was ich in dem Laden anbiete, ist weiterverarbeitet oder handgemacht“, strahlt Antje, „ich habe keine Sachen im Laden, die ich eingekauft habe, um sie wieder zu verkaufen.“ Die 40 Quadratmeter Verkaufsfläche bieten genügend Platz für viele Artikel. Der engagierten Inhaberin ist wichtig, mit ihrem Laden auch eine Plattform für andere Handwerkelnde zu bieten, deshalb verkauft sie Produkte anderer Kreativer auf Kommission. Und so entsteht ein außergewöhnlicher Mix, ein vielfältiges, oft wechselndes Angebot. Über allem thront das Label „handgemacht“.

Spricht Schöne damit eine neue Gruppe Konsumenten an? Klar, die Käufer denken um, meint die Einzelunternehmerin: „Bei vielen Menschen hat sich ein Bewusstsein entwickelt, das auf Nachhaltigkeit setzt, Umweltbewusstsein und Individualität spielen dabei eine Rolle. Die Menschen kochen ja auch wieder selber Marmelade.“ Der Schubladen passt gut in eine Gesellschaft, die wieder ihre Nachbarn kennenlernen möchte und gern lokale Aktionen unterstützt, meint Antje und strahlt so überzeugend, dass man es ihr glauben möchte.

Der kleine Laden in der Kunsthofpassage jedenfalls gibt ein gutes Gefühl. Wer also in der Nähe ist, sollte mal vorbei gehen. Antje Schöne freut sich über Besuch und öffnet gern ihre Ladenterrasse für einen Plausch und eine schöne Aussicht.

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