WIRTSCHAFT & HANDEL

25.06.2013

Erdbeeren (Foto: Jane Jannke)
Jane Jannke

Die Königin der Früchte

Rot sollten sie schon sein, darin sind sich wahrscheinlich alle Erdbeerfans einig, die derzeit auf den Plantagen im Stadtgebiet unterwegs sind. Die Erdbeerzeit lockt täglich wieder Hunderte von ihnen auf die Felder. Die heimischen Sorten, die täglich an Reife gewinnen, sind bei vielen aufgrund ihres ausgeprägten Aromas und ihrer kräftigen Süße besonders beliebt, denn über Geschmack lässt sich bei Erdbeeren durchaus streiten.

Von Jane Jannke

Erdbeeren werden im Handel heute fast das ganze Jahr über angeboten. In den Wintermonaten stammen die Früchte meist aus südlichen Ländern wie Spanien, Nordafrika oder dem Nahen Osten. Oft als „Wasserbomben“ verpönt, zeigen viele Einheimische den Importen jedoch häufig die kalte Schulter. „Die schmecken doch nach nischt“, sagt sich der verwöhnte Dresdner pikiert und schmollt mit der Königin der Früchte bis zum nächsten Juni. Sonne und Wärme brauche die vor allem, um so gut zu schmecken, wie es die heimischen Sorten tun. Kein Wunder also, dass die spanische Konkurrenz in Sachen Geschmack oft noch nicht so weit ist. Logisch. Oder doch nicht?

„Sonne und Wärme sind natürlich essentiell wichtig für die Erdbeere, um ein kräftiges Aroma auszubilden“, bestätigt Erdbeerforscher Klaus Olbricht. Allerdings sei dies nicht der einzige Aspekt, der darüber entscheidet, ob es beim Biss in die rote Frucht eine wahre Genussexplosion oder eher eine herbe Enttäuschung gibt. Wesentlich seien oft weniger die Anbauzeit als vielmehr die Sorte und das Wetter. So gibt es auch in Sachsen ähnlich wie in Spanien früher oder später reifende Erdbeersorten. „Gerade die später reifenden weisen oft eine starke Süße auf“, weiß der Fachmann. Grundsätzlich sei aber von Mai bis Juli Haupterntezeit im Freistaat. Noch etwa zwei bis drei Wochen, dann ist das ganz große Pflücken schon wieder vorbei.

Bei der spanischen „Wasserbombe“ macht deren Bestimmung den Unterschied. „Die spanischen Erdbeeren haben meist einen weiten Weg vor sich. Weil sie so früh reif sind, werden sie in die halbe Welt exportiert. Sie müssen daher sehr fest und widerstandsfähig sein. Je fester aber die Frucht, desto mehr leidet das Aroma“, so Olbricht. Erdbeeren sind sein Metier. Für den europaweit agierenden Konzern Hansabred forscht Olbricht in Dresden an immer neuen Sorten, die möglichst viele gute Eigenschaften kombinieren sollen. Elsanta, Korona, Honeoye oder Sonata gehören zu denen, die am häufigsten auf sächsischen Feldern anzutreffen sind. Auch kuriose Kreationen kommen dabei ab und an heraus. Weiße, dennoch hocharomatische Erdbeeren aus Chile sind momentan der Hit in Gourmetrestaurants um den Globus.

Erdbeeren (Foto: Jane Jannke)
Jane Jannke

Doch auch die sächsischen Früchtchen sind nicht vollends vor dem Aromatod gefeit, denn bei den hiesigen verhältnismäßig weichen und entsprechend anfälligeren Sorten machen sich Wetterunbilden schneller bemerkbar. „Regnet es zu viel wie Anfang Juni, drohen Schimmel und Fäulnis“, so Olbricht. Aber auch zu große Hitze wie in der vergangenen Woche oder aber Kälte setzten das Obst unter Stress. In beiden Fällen leide das Aroma. Die diesjährige Erdbeerernte sorgt bei vielen heimischen Obstbauern daher für lange Gesichter. „Das Wetter hat ihnen schwer zu schaffen gemacht“, weiß Klaus Olbricht. Die rund 5.000 Tonnen des vergangenen Jahres wird man diesmal wohl weit unterschreiten.

Dennoch: Wer sich auf den hiesigen Feldern umschaut, wird allemal fündig. Die letzten warmen Tage haben alles sehr schnell gehen lassen. Rot sind sie, und durchaus auch von einer respektablen Größe. Geschmacklich merkt man etwa Elsanta das kühle, sonnenarme Frühjahr durchaus an. Aroma: ja, an der Süße fehlt's ein wenig. Doch lässt sich dies beispielsweise bei der Herstellung hausgemachter Erdbeermarmelade getrost verschmerzen, denn hier kommt es dank Zuckerzugabe ohnehin weniger auf die Süße, denn auf das Aroma an. Beim Pflücken sollte man übrigens darauf achten, nur die wirklich roten Früchte zu pflücken und den helleren noch etwas Zeit zum Reifen lassen. Damit auf der Zielgerade nicht noch ein gutes Stück Aroma verloren geht, sollte man daheim die Erdbeeren schnell verbrauchen. Lange Kühlschranklagerung ist ein oft verkannter Aromakiller. Beim Waschen sollte man darauf achten, die Beeren möglichst mit dem Blätterkelch und nicht unter dem fließenden Wasserhahn zu reinigen. Dann steht dem Genusserlebnis nichts mehr im Wege.

Selbst gepflückt werden kann derzeit in bzw. um Dresden herum unter anderem hier:

Erdbeerernte (Foto: Jane Jannke)
Jane Jannke

Gut Pesterwitz
Feld an der Jochhöhstraße
Tel. 0351/6502513
täglich 8-18 Uhr
Preis je kg: 2,20 Euro

Obsthof Schlage
Feld Pillnitzer Landstraße, Hosterwitz
Tel. 0351/2610074
Mo-Fr 7-19 Uhr   |   Sa/So 8-18 Uhr

Agrar GmbH Dresden, Oberwartha
Feld nahe Oberer Stausee sowie Feld in Freital-Zauckerode
Tel. 035204/94512
Mo-Sa 7-19 Uhr   |   So 8-18 Uhr
Preis je kg: 1,80 Euro

Obstbau Beck & Partner
Feld an der B172 zwischen Lockwitz und Großluga
täglich 8-18 Uhr
Preis je kg: 2-3 Euro (ändert sich je nach Ernteverlauf und Nachfrage)

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