WIRTSCHAFT & HANDEL

26.09.2013

Dresdner-Start-ups: With a little helf from my fashion shopper

Ich treffe mich mit Julia Naumann im "Café Europa". Ich erwarte eine Art Anna Wintour: gestreng und mit gnadenlos nach modischen Sünden scannendem Blick. Julia ist zum Glück anders - angenehm "normal" und natürlich. Ich gestehe ihr meine Nervosität, dies hier sei mein erstes Interview und ich überhaupt von der allerschlimmsten schüchternen Sorte. Draußen eilen die Menschen durch einen Septembernachmittag, der deutlich besser in den November passen würde. Ich bestelle mir einen doppelten Espresso (klassische Übergangshandlung), krame in meinen Notizen und dann will ich wissen, wie es sich Julia so gedacht hat, die Dresdnerinnen und Dresdner zu erretten. Nur was die Mode betrifft, natürlich.

Von Falk Enderlein

Fashion Shopper Dresden - das Konzept ist so genial wie einfach: Julias Angebot richtet sich an Menschen, die ihren persönlichen Kleidungsstil verbessern wollen, dafür aber kompetente Unterstützung wünschen. Nach einem Vorgespräch trifft sich Julia mit ihren Kunden in den jeweils am besten geeigneten Shops und Boutiquen unserer Stadt und probiert mit ihnen jene Stücke aus, die schon durch ihre sorgfältige Vorauswahl gegangen sind. Dabei minimiert der professionelle Blick von Julia zielsicher das Risiko von Fehlkäufen. Sie prüft eingehend Materialien, Verarbeitung, Farben und Schnitte und der Kunde kann sicher sein, dass er das Geschäft mit einem Outfit verlässt, das perfekt zu ihm passt.

Mode ist vergänglich, Stil niemals. (Coco Chanel)

Julia Naumann ist in Dresden geboren. Mode fasziniert sie bereits als Jugendliche und bestimmt schon bald ihre berufliche Laufbahn. Im Spätsommer 2012 reift die Idee, mit dem Talent für Mode und ihrem Gefühl für Stil eine in Dresden noch freie Nische anzupeilen und Menschen zu helfen, modisch das Beste aus ihrem Typ zu machen - aber ohne dass sie sich verkleidet fühlen. Ein halbes Jahr investiert Julia in Fortbildungen und ihren Online-Auftritt, dann startet sie im Mai 2013 durch. Und die Idee kommt bei den Dresdnerinnen und Dresdnern gut an.

Im Portfolio hat Julia – außer der Shoppingbegleitung - noch den Garderoben-Check (das effektive Ausmisten des Kleiderschranks und das Sortieren in funktionierende Outfits) und unter dem Angebotspunkt Karrierestart die ideale Kleidung für den Einstieg ins Berufsleben, nachhaltig angelegt mit Tipps für das tägliche Styling im Büro - für Studenten gibt es Rabatt. Gutscheine für Stil- und Typberatung bieten sich als Geschenk an.

Ich nutze die Anwesenheit der Expertin, um Fragen zu stellen, die ich schon immer stellen wollte: Was sind in Julias Augen absolute stilistische Fauxpas? Ihr Urteil ist vergleichsweise mild und tolerant. Sowieso ist sie nicht der Typ für vernichtende Kritik. Der Mann darf sein Hemd, wenn es entsprechend geschnitten ist, durchaus auch über der Hose tragen. Pinkfarbene Poloshirts beim Herrn bereiten Julia allerdings Bauchschmerzen. Hochhackige, weiße Stiefel am Fuß der Dame findet sie nicht toll. Jeans in Bootcut seien - je nach Figurtyp - manchmal besser als Leggings. Und auch ganz allgemein rät Julia, im Zweifel nicht jeden Trend mitzumachen, stattdessen zeitlose Outfits vorzuziehen und in Qualität zu investieren. Dann kann ein Mantel ohne Probleme durchaus nach zehn Jahren noch getragen werden.

Trotzdem schwärmt Julia von der Dame, die für ihren 70. Geburtstag ein Kleid auswählte, das eigentlich für Mittdreißigerinnen konzipiert war und sich wohltuend vom üblichen Rentnergrau und Rentnerbeige abhob. Wo es zum Anlass passe, sei Farbe überhaupt eine gute Sache, meint Julia. Es müssten ja nicht unbedingt neonfarben sein.

Julia trifft mit ihrer Geschäftsidee offensichtlich den Nerv der Zeit und dabei sprudelt sie schon über vor neuen Ideen: Freundinnenabende (weil Mode gemeinsam mehr Spaß macht), spezielle Beratung für große Größen und Coaching zum Thema Businesskleidung. Es wird demnächst viel mehr gut gekleidete Menschen in Dresden geben.

"Ich bin dann mal weg", sage ich zu Julia, als wir uns verabschieden und das "Café Europa" verlassen, "ein paar pinkfarbene Poloshirts verbrennen."

 www.fashionshopper-dresden.de

 

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